Furzkissen

Über Bernhard Grzimek, den Tierforscher und ehemaligen Direktor des Frankfurter Zoos, habe ich gelesen, dass er Tiere, Frauen und Furzkissen liebte. Er hatte große Freude daran, Menschen mit diesem Scherzartikel zu necken. Dieses einfältige Vergnügen hat immer noch Anhänger: Bei Amazon kann man zwischen unterschiedlichen Modellen wählen, aber alle mit derselben Technologie: Ein Gummissäckchen mit Ventil, beim plötzlichen Entweichen der Luft durch eine äußere Belastung wird ein pupsartiges Geräusch erzeugt.

Nach Recherchen des Humorforschers Paul McDonald von der Universität von Wolverhampton handelt der erste überlieferte Witz der Menschheit von einer Frau, der zur Unzeit ein Furz entweicht. Vor etwa 4000 bei den Sumerern. Also schon damals war diese multimodale, auditive und olfaktorische Kommunikation peinlich. Im Mittelalter waren die Sitten dann deutlich flatulenzfreundlicher. Norbert Elias berichtet, wie das Furzen an der Öffentlichkeit im Prozess der Zivilisation tabuisiert wird. Da es heute als unschicklich und belästigend empfunden wird, bleibt der Einsatz des Scherzartikel ein kleiner Tabubruch: Gelacht wird über jeden Furz. (24.05.2014)

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Kuschelgruppen

Fremde Menschen treffen sich unter Anleitung einer Trainerin zum Schmusen auf einem Matratzenlager. Vier Stunden lang! Darüber berichtet ein Artikel im Schwäbischen Tagblatt. Nun gehört Körperkontakt zu den Grundbedürfnissen des Menschen, aber die haptische Kommunikation ist gewöhnlich in erotische Kontexte eingebettet. Hier aber gerade nicht, es herrscht ein strenges Reglement (cuddle party rules), das sexuelle Absichten nicht zulässt: Küssen und erogene Zonen sind tabu, wem es doch zu heiß wird, der wendet sich einfach ab. Natürlich kommt der Trend aus Amerika, vor allem bei Singles sind derartig unverbindliche Rituale verbreitet. Was soll man davon halten? Ist das Therapie, ist das Livestyle, ist das Kompensation? Auf jeden Fall ein neues psychisches Defizit, mit dem man Geld verdienen kann. Wer das Wunder der Berührung erfahren möchte, findet sinnigerweise auf der Site für Rauftreffs „fight-for-fun“ Termine und Treffpunkte in Deutschland. (22.05.2014)

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Leidbilder

Kein Tippfehler: es gibt Leidbilder. Das sind gefaltete Zettel mit den Lebensdaten und einem Bild eines Verstorbenen. Diese Totenzettel verbreiteten sich im 19. Jahrhundert über das katholische Europa. Leidbilder sind für die Familienforschung interessant, da sie für einfache Menschen angefertigt werden, über die sonst nichts überliefert ist. Im Kreisarchiv von Kleve hat man etwa 1200 derartiger Leichenzettel gesammelt. Leidbildchen kann man  auch online erstellen. Wer im Leben kein Leitbild hatte, kann wenigstens post mortem ein Leidbild bekommen. (22.05.2014)

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Of all affairs,
communication is the most wonderful.

John Dewey

 

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Mein Blog beschreibt, analysiert und bewertet Phänomene unserer Kommunikationskultur. Er soll die Augen und die Ohren für unsere sprachliche und visuelle Umwelt schärfen. Für mich ist er eine zwanglose Spielwiese für zufällige Entdeckungen und anfallende Gedanken. Man kann meinen Blog abonnieren.

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