Wörter mit Behinderung

Das Wort „Schwerbehindertenausweis“ ist sicher unschön und konnotiert eine pejorative Assoziation. In Rheinland-Pfalz gibt das Sozialministerium jetzt Hüllen für dieses amtliche Dokument aus, auf dem die Aufschrift „Schwerinordnungausweis“ steht. Dieser Euphemismus ist als Beitrag zur Inklusion gedacht.

Betroffene wie Nichtbetroffene tun sich schwer damit, ein Wort für einen ebenfalls oft schwammigen Begriff zu finden. Nach dem Ausdruck „behinderter Mensch“, bei dem die Behinderung als Adjektivattribut an erster Stelle steht, ist derzeit „Mensch mit Behinderung“ die offizielle korrekte Bezeichnung. Begründungen: 1. In dieser Formulierung steht der Mensch im Vordergrund, die Behinderung wird nur als Präpositionalattribut angehängt 2. Die Behinderung wird hier nicht am Menschen, sondern an den externen Barrieren festgemacht: Der Mensch ist nur behindert, weil eine bestimmte Umgebung ihn einschränkt.

Das sehen aber selbst Betroffene wie z.B. der Inklusionsaktivist Constantin Gosch nicht so. Nach seinem Sprachgefühl bedeutet die Präposition „mit“, dass der Mensch mit Behinderung diese mit sich trägt, sie also seine Eigenschaft ist und nicht durch die Umwelt bedingt. Er bevorzugt deshalb „behinderter Mensch“.

Andere Vorschläge: „Menschen mit Handicap“, aber der Anglizismus ist eigentlich nur eine Übersetzung in ein für uns neutraler klingendes Wort. Die Ausdrücke „Menschen mit besonderen Fähigkeiten“ oder „andersbefähigte Menschen“ gehen in Richtung Euphemismus, diese Ausdrücke gebrauchen zudem nur wenige Betroffene selbst. Ein weiterer Vorschlag ist der, auf den Allgemeinbegriff zu verzichten und konkret von Blinden, Querschnittsgelähmten, Gehörlosen usw. zu sprechen. Ob das die Person behindert oder nicht, wird damit nicht impliziert. Ist jeder Brillenträger sehbehindert? Bei kognitiven Problemen wird die konkrete Benennung aber wieder schwierig: „Menschen mit Lern- oder  Denkschwierigkeiten“ ? (03.01.2018)

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