Brunzen

Das Wort, dass in mir die Vorstellung eines dampfenden Strahls aufruft, ist im Duden als „landschaftlich derb“ gekennzeichnet. Als es etwa im 15. Jahrhundert aufkam, war es aber ein normales, anständiges Wort für den Vorgang des Urinierens. Im Deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm wird es ausführlich behandelt, auch mit seinen lexikalischen Derivationen: der Brunz für Urin oder der Brünzel für den Penis. Aber schon damals hatte das Wort einen Bedeutungswandel erfahren hin zu einem umgangssprachlich ordinären Wort. Dieser Vorgang wird Pejoration genannt, es hat auch andere Wörter getroffen wie Weib, Pfaffe, Visage usw.

Beim Stichwort „brunzen“ fühlen sich die Gebrüder Grimm zu einer Verteidigung dieser Wörter aufgerufen, weil ein Kollege Johann Christoph Adelung sich mit derartigen Wörtern nicht abgeben wollte: „Adelung sieht wol ein, dasz dieses wort anfangs ein anständiges war, allein es sei mit allen seinen Ableitungen nunmehr schon lange dem niedrigsten pöbel preisgegeben worden, daher er sich nicht dabei aufhalten wolle, als wenn es nicht die pflicht der sprachforschung wäre, solchen wörtern, die herabgekommen sind nicht weil sie das Volk in ihrer natürlichen geltung festhielt, sondern weil die vornehme welt sie durch fremde, nichts sagende verdrängte und zuletzt vergasz, gleichsam die Ehre zu retten“ (Bd. 2, S. 442). Da haben die beiden recht: Was ist schon urinieren gegen brunzen! (22.05.2015)

 Brunzer Kopie

Kleiner Brunzer in einem Gemälde des flämischen Malers Gerard Horenbout (1510-20).

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  1. Strunzdumm | Steffen-Peter Ballstaedt - 6. Februar 2016

    […] Frau. 2) Strunzen in der Bedeutung „mit großem Strahl urinieren“, ein Strunzer ist hier ein Brunzer. Ob die Homonyme nicht doch auf eine gemeinsame Wurzel zurückgehen, konnte ich nicht klären. […]

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