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Eiscreme

Der Eiskonditor Dario Fontanello hat für den Ökumenischen Kirchentag in Mannheim ein Ökumene-Eis entwickelt, das die Konfessionen durch Lecken vereinen soll. Das Eis erinnert sensorisch an das Abendmahl: Grundlage ist eine Verbindung aus Milcheis mit gerösteten Brioche-Stücken (Brot!) und Riesling-Sorbet (Wein!).

Das ist eine Idee, die die Wahlkampf-Manager unserer Parteien aufgreifen sollten. Hier ein paar mögliche Eiskreationen:

CDU
Farbe: schwarz
Basis: Sepia mit Brombeere
Aromen: ein Hauch Birne, Weihrauch
Serviervorschlag: als Coupe Deutschland mit Fähnchen

SPD
Farbe: rosarot
Basis: Granatapfel (Grenadine)
Aromen: Nelke, Honig
Serviervorschlag: mit Knorpelkirsche

FDP
Farbe: gelb
Basis: Quitte (enthält Schleimstoffe)
Aromen: Lindnerblüten, Banane
Serviervorschlag: mit Smarties

Grüne
Farbe: grün
Basis: Basilikum (Bio)
Aromen: Waldmeister, Weinraute
Serviervorschlag: an Grüner Soße

DIE LINKE
Farbe: dunkelrot (Cochenille)
Basis: Himbeere
Aromen: Wildrose
Serviervorschlag: als Hexenkuss am Stiel

AfD
Farbe: hellbraun
Basis: Haselnuss
Aromen: Eierlikör
Serviervorschlag: an der Waffel

Diese Kreationen sind patentrechtlich noch nicht geschützt! Mögliche Koalitionen lassen sich in einem Eisbecher verkosten. (01.06.2017)

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Projektion

Der Bürgermeister von Tübingen, Herr Palmer, ist dafür bekannt, dass er keinem Konflikt aus dem Weg geht und kein Fettnäpfchen auslässt. Die Leserbriefe im Schwäbischen Tagblatt zu seiner Politik und seiner Person sind soziologische Dokumente der Befindlichkeiten in der Tübinger Politszene. Dazu gehört auch dieser Text: Wenn man die Sprachkompetenz außer Acht lässt, bleibt ein diffuses Unbehagen und ein hilfloser Protest, der alle Ängste auf eine Person projiziert. (30.05.2017)

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Text mit Aufklebern an eine Scheibe am Stadtgraben in Tübingen geheftet (zum Vergrößern ins Bild klicken).Foto: St.-P. Ballstaedt

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Polyamorie

Hin und wieder lese ich in der BRIGITTE, der Werbezeitschrift mit eingestreuten redaktionellen Artikeln, um mich in der Welt der Frau zu orientieren.

Dort habe ich ein für mich neues Wort gefunden: Polyamorie, ein griechisch-lateinisches Kompositum, das irgendwie sehr cool klingt. Es bezeichnet die Idee, dass man mehr als einen Menschen zur gleichen Zeit lieben kann, mit der gemeinen Klausel, dass alle Beteiligten das wissen und damit einverstanden sind. Als Abgrenzung zur Freien Liebe müssen die Verbindungen „langfristig und vertrauensvoll“ angelegt sein, also nicht Swinging, Promiskuität, One-Night-Stands, Prostitution oder heimliches Fremdgehen. Dass man mehrere Personen liebt, soll ja immer wieder einmal vorkommen, die fallen einem Bertrand Russel, Bert Brecht oder Jean-Paul Sartre ein. Aber warum man dazu einen eingetragenen Verein gründen muss, bleibt mir ein Rätsel.

In der Terminologie sind die Polyamorösen sehr kreativ. Sie kennen keine Eifersucht, sondern Compersion, übersetzt als Mitfreude oder Resonanzfreude: Sie empfinden intensive Freude, wenn ein geliebter Mensch mit einem anderen Partner in einem zärtlichen, erotischen oder intimen Kontakt glücklich ist. In diesem Zustand fühlen sie sich „frubbelig“, so das adversative Adjektiv von „eifersüchtig“. Da ist der Prozess der Zivilisation aber schon weit vorangekommen! Schaut man sich im Polyamoren Netzwerk e.V. (PAN) um, welches Thema wird ausführlich diskutiert: die Eifersucht! Es wird sogar ein Coaching für Polyamoröse angeboten! Für das Beziehungsmanagement ist die Mehrfachliebe eine äußerst schwierige und zeitraubende Aufgabe. Dafür wird man aber mit mehr Authentizität, Selbstentfaltung und Lebendigkeit belohnt! (26.05.2017)

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Die Polyamorie hat natürlich ein Logo: Das Herz mit dem Symbol für Unendlichkeit. Wäre auch für den Muttertag geeignet. Quelle:  Wikimedia Commons

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Ari Plikat

Gute Bildwitze haben zwei Merkmale: 1. Die Zeichnung als solche ist witzig, d.h. karikaturhaft übersteigert und damit inhaltlich akzentuiert. 2. Zwischen Bild und Text herrscht eine inhaltliche Komplementarität, d.h. erste beide zusammen ergeben den Witz, der Text ohne Bild bleibt witzlos.

Die Cartoons von Ari Plikat sind hervorragende Beispiele dieser Kunst. Ihm ist derzeit eine Ausstellung in der Frankfurter Caricatura gewidmet (noch bis 23. Juli. 2017). Plikat hat vor allem zwei Sujets: Sex und Tod (neben vielen anderen Themen). Die Cartoons zeigen oft Freund Hein bei der Arbeit und die ist überaus lustig. Dem menschlichen Sexleben gewinnt Ari Plikat immer neue Pointen ab. Er ist mit F.W. Bernstein ein letzter Vertreter der Frankfurter Schule. (18.05.2017)

Heute war ja wieder der Wurm drin..._(c) Ari Plikat-637f3b22

Nur Bild und Text zusammen ergeben die Pointe. Quelle: http://caricatura-museum.de

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Recyling

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 Neuzugang in meiner Sammlung von Toiletten-Piktogrammen. Foto: St.-P. Ballstaedt (12.05.2017)

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LOL

Am ersten Sonntag im Mai ist Weltlachtag. „Mit dem Weltlachtag soll ein positives Zeichen für den Weltfrieden gesetzt werden. Er möchte dazu beitragen, ein globales Bewusstsein für Gesundheit, Glück und Frieden durch Lachen zu schaffen.“ Um 14.00 Uhr soll ein globales Gelächter um den Erdball geschickt werden.

In vielen Städten gibt es Lachclubs, die sich zu gemeinsamen Lachen treffen. Sie setzen die James-Lange-Theorie der Emotionen um: Wir lachen nicht, weil wir vergnügt sind, sondern wir sind vergnügt, weil wir lachen. Vor Jahren habe ich an einem Weiterbildungsseminar für Hochschullehrer zum Thema „Humor im Unterricht“ teilgenommen. Der moderierende Lach-Yogi verteilte uns rote Nasen und ließ uns andauernd gemeinsames Gelächter anstimmen: verhaltenes, ordinäres, brüllendes, hintergründiges, zynisches, freches, spöttisches, satanisches Lachen. Einziger praktischer Tipp für den Unterricht: Die Studierenden sollten immer mal wieder gemeinsam für einige Sekunden lachen. Das entspannt und macht fröhlich.

Lachen, Kuscheln, Raufen, Essen, Reisen, viele alltägliche Verhaltensweisen werden in quasi-therapeutischen Gruppen institutionalisiert. Das sagt doch auch etwas über unser soziales Leben aus? Ich finde einen Lachtag reichlich lächerlich, aber wenn man sonst nichts zu lachen hat, bitte!

Achtung: In Weingruppen wird gemeinsam Wein getrunken! (07.05.2017)

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Aktuelles Weltlachtag-Logo. Quelle: Wikipedia Commons

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Mauerblümchen

Bluemchen

Mal was Hübsches an kahlen Mauern einer Ludwigsburger Unterführung. Und noch nicht übermalt oder übersprayt! Foto: St.-P. Ballstaedt (04.05.2017)

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Wanderwitze

Wer sich mit dem Wandel des Humors und des Lachens befasst, der wird feststellen, dass es Witzthemen gibt, die in der Geschichte immer wieder auftauchen: Witze über Sexualität und Fremdgehen, Witze über politische oder geistige Autoritäten, Witze aus dem Munde von Kindern, Narren und Betrunkenen usw. Es gibt sogenannte Wanderwitze, die alle paar Jahrzehnte in fast identischer Formulierung wieder auftauchen, auf dem Gebiet des politischen Witzes sind sie so häufig, dass man überspitzt sagen kann, es gäbe eigentlich gar keine neuen politischen Witze, sondern nur neue Situationen und neue Rezipienten. Manche Witze wandern, an neue politische Verhältnisse angepasst, durch die Jahrhunderte. Aus einem Anti-Nazi-Witz kann durch den Austausch weniger Wörter ein Anti-Kommunismus-Witz werden. Ein Beispiel für einen Wanderwitz:

Anfang 1989 erzählt man sich in Ostberlin, dass bei Ego Krenz eingebrochen worden sei. Gestohlen wurde das Ergebnis der bevorstehenden Volkswahlen vom 7. Mai 1989.

Denselben Witz erzählte man sich bereits im Dritten Reich:

1935: Großer Einbruch bei Dr. Goebbels. Gestohlen wurde das Wahlergebnis von 1936.

Die Witze aus Bodo Müller: Lachen gegen die Ohnmacht: DDR-Witze im Visier der Stasi. Berlin: Verlag Ch. Links, 2016, S. 51. (02.05.2017)

Nachtrag: Ein kleiner Aufsatz über Wanderwitze: Hermann Bausinger: Graf Bobby und Hierokles von Alexandrien. Wanderungen und Wandlungen des Witzes. In: Der blinde Hund. Anmerkungen zur Alltagskultur. Tübingen: Verlag Schwäbisches Tagblatt, 1991, S. 257-261.

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Selfmade-Pikto

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Gemaltes Schild auf einer Wiese in Tübingen: Hinweispfeil, Einkreisung und Durchstreichung als visuelle Konventionen kennen offenbar schon die Kids. Foto: St.-P. Ballstaedt (28.04.2017)

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Gedankenlesen

Auf der Facebook-Entwicklerkonferenz F8 in San Jose wurde das neuste Projekt des Unternehmens vorgestellt: 60 Forschende arbeiten an einer Technologie, mit der Gedanken direkt in Text umgewandelt werden können. Wer z.B. eine SMS schreiben möchte, der braucht den Text nur zu denken und er wird auf dem Smartphone geschrieben und kann verschickt werden.

Wissenschaftlich ist das ein spannendes Projekt. Erregungsmuster im Gehirn sind schon ausgelesen worden, um Prothesen zu steuern oder Ja-nein-Entscheidungen zu kommunizieren. Dazu müssen entweder Elektroden im Gehirn implementiert sein, oder die Muster werden mit funktioneller Magnetresonanztomographie oder über ein Elektrodennetz auf dem Kopf erfasst. Facebook möchte sehr empfindliche Sensoren entwickeln, die im Alltag wie eine Haube auf dem Kopf betragen werden. Wer sich nur ein wenig mit kognitiver Sprachverarbeitung auskennt, der wird das Projekt skeptisch beurteilen: Schon einzelne Wörter setzen sich aus komplexen neuronalen Mustern zusammen, ihre syntaktische Anordnung in einem Satz dürfte noch eine Größenordnung komplexer ausfallen. Aber versuchen kann man es ja.

Es stimmt allerdings nachdenklich, dass diese Forschungen nicht in einem neurolinguistischen Institut, sondern in einem Unternehmen stattfinden, das sein Geld mit Daten verdient. Wenn man aus dem Gehirn auslesen kann, was eine Person seinem Partner gern mitteilen möchte, dann lassen sich auch andere Gedanken erfassen, die versprachlicht vorliegen und das trifft auf viele unserer verborgenen Grübeleien zu. Nach Aussage von facebook geht es natürlich keinesfalls um Gedankenlesen, sondern allein darum, dem Smartphone-Nutzer das Tippen zu ersparen. Oh, Zuckerberg, für wie naiv hältst du deine Datenspender? (23.04.2017)

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