Horrorwittchen

Lohr am Main im Spessart ist nicht gerade eine bekannte touristische Adresse. Da hat sich das Stadt-Marketing etwas ausgedacht. Ein Lohrer Apotheker, Dr. Karlheinz Bartels, hatte mit den wissenschaftlichen Methoden der Fabulologie herausgekommen, dass das Schneewittchen aus dem Grimm`schen Märchen in Lohr geboren wurde. Vorbild der Märchenprinzessin ist die 1725 geborene Maria Sophia Margaretha Catharina von Erthal, die im Lohrer Schloss zur Welt kam. Lohr ernannte sich zur Schneewittchenstadt. Es gibt einen Schneewittchen-Wanderweg, einen Schneewittchen-Kuchen und das Ehrenschneewittchen ist Verona Pooth! Ein Schneewittchen-Kunstpreis wurde ausgeschrieben und den gewann der Bildhauer Peter Wittstadt. Aber als er sein Modell präsentierte, ging ein Schock durch die Stadt, denn das anmutige Schneewittchen sah aus wie ein hageres Gespenst mit Stummelärmchen und struppigen Haaren. Die Aufregung um die vom Stadtrat inzwischen abgesegnete Skulptur inspirierte den Gymnasiasten Valentin Lude zu einem Grafitto, auf dem Schneewittchen mit gezücktem Messer auf die sieben Zwerge losgeht. Und dieses Horrorwittchen ist jetzt ein großer Verkaufsschlager auf den üblichen Produkten wie T-Shirts und Tassen oder als Aufkleber für beliebige Gegenstände. Das ist doch eine schöne Geschichte zur visual Culture. (13.05.2015)

Nachtrag 11.04.2019: Ziemlich genau vier Jahre stand hier ein Foto des Grafitto, das ich nicht selbst gemacht , sondern ohne Lizenz übernommen habe. Das war falsch, aber damals war ich noch blauäugig. In meinem Impressum weise ich darauf hin, dass ich Ansprüchen nachkomme, wenn sie mir gemeldet werden. Am 10.04.2019 hat sich eine Kanzelei bei mir gemeldet, die die Ansprüche der dpa Picture-Alliance GmbH vertritt: Schadensersatz, Dokumentationskosten, Zinsen und Rechtsanwaltgebühren, insgesamt 375,88 Euro. Das ist viel für ein popeliges Bild, dass ich trotz Schadenersatzleistung nicht weiter verwenden darf. Mein Fehler, aber ich hätte es bei meiner nichtkommerziellen Site fairer gefunden, die dpa hätte sich bei mir gemeldet, statt  gleich die Juristen auf mich anzusetzen.

 

3 Responses to Horrorwittchen

  1. SP Ballstaedt 13. Mai 2015 at 17:52 #

    Die SPIEGEL-Story ist mir entgangen, ich habe in der Süddeutschen Zeitung vom 8.5.2015 über die Skulptur und das Grafitto gelesen.

  2. Gunther 13. Mai 2015 at 17:47 #

    Was für eine Geschichte! Der SPIEGEL hat in seiner Ausgabe vom 8.12.14 sogar noch folgendes berichtet: »Es ging so weit, dass sich der Pfarrer verpflichtet fühlte, eine “Schneewittchen-Deeskalationsgruppe” zu gründen.« Vermutlich war das auch nötig.

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  1. Urheberrecht | Steffen-Peter Ballstaedt - 13. April 2019

    […] 13.5.2015 habe ich einen Beitrag „Horrorwittchen“ in meinen Blog gestellt, in dem ich ein Foto eines Grafitto verwendet habe, auf dem […]

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