Lektüre zur geschlechtergerechten Sprache

Gabriele Diewald & Anja Steinhauer: Richtig Gendern. Wie Sie angemessen und verständlich schreiben. Berlin: Dudenverlag.

„Der Not gehorchend nicht dem eignen Trieb“ habe ich mich noch einmal ausführlich mit geschlechtergerechten Formulierungen befasst. Meine Position bisher: Frauen müssen sprachlich sichtbar gemacht und gleichbehandelt werden, aber nicht auf Kosten der Lesbarkeit und Verständlichkeit. Jetzt liegt ein Ratgeber vor, der meines Erachtens diese Position perfekt umsetzt.  Die Lektüre ist aus zwei Gründen lesenswert: 1. Die Vorschläge – nicht Normen, wie die Autorinnen ausdrücklich betonen – sind sprachwissenschaftlich überzeugend begründet und nachvollziehbar. 2. Auf provokante Veränderungen der Sprache wird verzichtet, Lesbarkeit und Verständlichkeit bleiben immer im Blick.

Die Autorinnen sehen in der Aufhebung sprachlicher Diskriminierung „ein wesentliches Instrument beim Wandel hin zu mehr Gendergerechtigkeit“ (S. 7). Sie begründen diese Position so: „Sprache ist vom Denken geprägt und Sprache prägt das Denken. Zugleich ist Sprache die Grundlage jedes gesellschaftlichen Handelns. Damit ist Sprache und ihr Gebrauch ein entscheidender Faktor für die Realisierung von Gleichstellung. Und damit ist Gendern ein wesentliches Instrument zur Durchführung dieser Bemühungen“ (S. 7). Mit der Veränderung des Sprechens und Schreibens wird zwar z.B. noch keine Lohngerechtigkeit hergestellt, aber es wird ein neues Bewusstsein angebahnt.

Nachwort: Ich finde es nicht akzeptabel, dass bei Publikationen des Dudenverlags die Autorinnen und Autoren nicht auf dem Cover genannt werden, sondern erst auf der inneren Titelseite auftauchen. (01.04.2019)

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