Pinkelverbot

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Zwei Verbotspiktogramme, links aus der Schweiz, rechts aus Deutschland. Der deutsche Pinkler wirkt depressiv und produziert einen geradlinigen, aber kurzen Strahl. Der schweizer Pinkler sieht eleganter aus und schaut mit Produktstolz auf die breitflächige Lache. Der Schweizer ist nur durchgestrichen, der Deutsche durchgekreuzt. (09.11.2014)

Nachtrag. Eine Passage aus James Joyce: Ulysses. Bloom und Stephan urinieren nebeneinander: „Die Bahnen ihrer zuerst aufeinanderfolgenden, dann gleichzeitigen Strahlen waren unähnlich: Blooms war länger, weniger irruent, zeigte, wenn auch nicht vollständig, die Form des gegabelten, vorletzten Buchstabens des Alphabets […]. Stephans war höher, zischender, denn er hatte in den letzten Stunden des vorrübergehenden Tages durch die Aufnahme diuretischer Dinge einen großen Blasendruck erreicht.“

Nachtrag. Hier noch ein Pinkelverbot aus Motzen in Brandenburg. (26.08.2015)

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Grafisch sehr gelungen ist die Wirkung des Gestaltgesetzes der guten Fortsetzung: Der Arm geht mit elegentem Schwung in den Penis über. Foto: Wolfgang Scherer

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Holzwegsätze

Im Englischen nennt man sie Garden-path-Sätze, ein anderes deutsches Wort ist Sack­gassensätze. Bei diesen Sätzen erweist sich das anfängliche Verständnis im Fortgang als falsch. Eindrucksvolle Fälle bietet vor allem die englische Sprache, hier der linguistische Lehrbuchklassiker:

The horse raced past the barn fell.

Der Effekt tritt auf, wenn über eine längere Wortkette des Satzes hinweg eine bestimmte Interpretation nahegelegt wird, die sich dann bei einem bestimmten Wort – hier: fell – als irrig erweist. Beispiele im Deutschen wirken nur bei Verzicht auf die Zeichen­setzung. Meine Sammlung:

Er hatte geglaubt dass das Mädchen das Fleisch liebte Vegetarierin war.

Helen und Monika spielen dauernd mit Gretchen und Caroline mit dem Ball bleibt allein.

Charles heiratet bestimmt Lady Di an einem Sonntag in der Kirche nur Gerdi.

Hans versprach Maria im Urlaub keine Zigaretten mehr anzuvertrauen.

Psycholinguistisch sind Holzwegsätze interessant, denn sie belegen, dass wir das Verständnis eines Satz von links nach rechts und Wortgruppe für Wortgruppe aufbauen (Fachwort: inkrementell). Es wird zunächst immer die – im wahrsten Sinnen des Wortes – naheliegendste syntaktische Interpretation angenommen. (08.11.2014)

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Briefmarken

Das kleinste visuelle Häppchen in unsere Kultur ist die Briefmarke. Zwar bedroht durch Frankiermaschinen und Automatenmarken, aber die Post bringt beständig noch jeden Monat ein neues Set heraus. In diesem November eine Sondermarke zum 200. Geburtstag des Physikers Julius Robert von Mayer (er formulierte das Gesetz von der Erhaltung der Energie). Der Auftrag zur Gestaltung ging an Sascha Lobe, Professor für Typografie an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Und der arbeitete – wen wundert´s – nur mit typografischen Mitteln: Schriften und einer Art Strichkode. Viele Freunde der kleinen Bildchen finden die Marke allerdings „missraten, hässlich, entsetzlich“, so Gerd Claßen, der Vorsitzende des Heilbronner Philatelisten-Vereins. Der Verein gab eine eigene Briefmarke heraus, denn individuelle Marken kann man über die Post ja gestalten. Die Marke zeigt – ja was wohl – ein Portrait des Wissenschaftlers. (06.11.2014)

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Zum ästhetischen Vergleich: Sondermarke der Deutschen Post und individuelle Marke des Heilbronner Philatelistenvereins.

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Toilette für alle

Toiletten-Piktogramme habe ich seit langem im Visier und kann auf eine Sammlung verschiedener grafischer Lösungen zurückgreifen. Besonders die Darstellung der Frau nehme ich gern als Beispiel, dass Piktogramme kulturelle Verstehensvoraussetzungen haben. Der Midi-Glockenrock ist nicht typisch für eine Frau und Kleidung diskriminiert die Geschlechter ohnehin nur unzureichend. Das tun eigentlich nur biologische Merkmale, die man aber schamhaft weglässt. Jetzt werden in Berlin Unisex-Toiletten eingeführt, in denen Männer und Frauen nicht mehr getrennt verrichten müssen. Das Logo für diese Anstalten ist biologisch korrekt, aber jetzt fühlen sich inter- und transsexuelle Menschen diskriminiert.

aiga-toilets       Public restroom at the Teddy ceremony as part of the 63rd annual Berlin International Film Festival aka Berlinale, in Berlin, Germany, 15 February 2013. The 27th Teddy Award is on of the most prestigious queer film prizes. As a symbol of political engagement, the award is presented in recognition of films and individuals involved in communicating queer issues to a wide audience. Photo: Jens Kalaene/dpa

Nicht mehr getrennt, sondern vereint: Piktogramm für eine herkömmliche und eine Unisex-Toilette. (04.11.2014)

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Gniedeln

In einer Rezension der Tournee „Mitten im Leben“ von Udo Jürgens schreibt Volker Schmidt heute in der Frankfurter Rundschau: „Im Lied ‚Der gläserne Mensch’ darf der Gitarrist aus dem Orchester, Pepe Lienhard, ein verzerrtes Solo gniedeln.“ Das Verb „gniedeln“ habe ich noch nie gehört oder gelesen, also wird recherchiert. Und tatsächlich, das Wort ist selten, aber nicht ungebräuchlich. Es stammt aus dem Nordostdeutschen und bedeutet „ein Streichinstrument schlecht spielen“. Das abgeleitete Adjektiv „gniedelig“ bedeutet „kratzig“. Und ich finde noch eine Belegstelle am 31.12. 2010 in der FR-online, diesmal von Jens Balzer: „ […] Ensembles wie das Animal Collective, die das seit Hippie-Zeiten stigmatisierte endlose Daddeln und Gniedeln wieder in den Pop einführten.“ Das hübsche Wort übernehme ich hiermit in meinen aktiven Wortschatz. (03.11.2014).

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Häufung von sprachlichen und visuellen Symbolen in den Rheinauen bei Burkheim am Kaiserstuhl. Man könnte von einer semiotischen Umweltverschmutzung sprechen. Foto: St.-P. Ballstaedt (01.11.2014)

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Hans Hillmann

Es war einmal eine Zeit, in der Filme mit grafisch anspruchsvollen Plakaten beworben wurden. In einer Papprolle habe ich einige schon etwas ramponierte Filmplakate von Hans Hillmann aufbewahrt. Er hat vor allem für die Neue Filmkunst Walter Kirchner gearbeitet. Hans Hillmann ist am 4.5.2014 verstorben. (29.10.2014).

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Diese Filmplakate hingen (unter anderen) in meinem Büro an der Hochschule. Foto: St.- P. Ballstaedt

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Gecko

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Frisch gesprayt auf Wänden und auf dem Trottoir in Tübingen auf Waldhäuser-Ost. Foto: St.-P. Ballstaedt (27.10.2014).

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Lektüre zur Kommunikation

Pörksen, Bernhard & Schulz von Thun, Friedemann (2014). Kommunikation als Lebenskunst. Philosophie und Praxis des Miteinander-Redens. Heidelberg: Carl- Auer Verlag

Eine bestechende Idee: Wissenschaftler schreiben nicht übereinander, referieren und kritisieren sich, sondern treten in einen Dialog ein. Hier der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen und der Kommunikationspsychologie Schulz von Thun. Aber über weite Strecken ist Pörksen nur ein Stichwortgeber, der Schulz von Thun die Gelegenheit offeriert, seine Ansätze noch einmal ausführlich darzustellen. Und Pörksen spart nicht mit Verstärkern, die sein Gegenüber anspornen. Wer den Meister gelesen hat – und wer hat das nicht – bekommt über viele Seiten eine Nachhilfe zum Verständnis. Die Selbstdarstellung ist sympathisch, vor allem verleugnet Schulz von Thun nicht, dass er auf den Schultern von Riesen steht. Er ist ein geschickter Eklektiker, der seine Ideen auch selbst als „Kombinationsprodukt“ bezeichnet: Das Kommunikationsquadrat, das Haus der Verständlichkeit, der Teufelskreis, das innere Team, das Wertequadrat, alles anschaulich-metaphorische Ansätze, die sich allerdings nicht zu einer einheitlichen humanistischen Anthropologie zusammenfügen. Man merkt ihnen an, dass sie pragmatisch aus der Kommunikationsberatung entstanden sind. Dabei geht ein wenig unter, dass seine Konzepte – mit Ausnahme der Verständlichkeitskonzeption – kaum durch Untersuchungen bestätigt sind. Vor allem der zentrale Begriff der Stimmigkeit, als Handeln in Übereinstimmung mit sich und der Situation, ist als „existenzielle Leitlinie“ sicher erstrebenswert, aber wissenschaftlich operationalisierbar, prüfbar und vorhersagbar ist sie nicht.

Und Bernhard Pörksen? Wenn er von seinen Gefälligkeitsfragen abweicht und kritisch wird, bekommt er Schulz von Thun kaum zu fassen, denn der ist auch ein Meister des Sowohl-als-auch. Aber es gibt zwei Themen, bei denen die beiden doch behutsam aneinander geraten. Das eine geht um die Grenzen des systemischen Denkens. Ist unser Handeln nur aus der Dynamik des Interaktionssystems erklärbar, dann sind wir auch nicht dafür verantwortlich und es gibt eigentlich keine Täter und Opfer mehr, da ja der eine auf das Verhalten des anderen reagiert. Schulz von Thun empfiehlt, manchmal die Brille des Systemikers gegen die Brille des Individualdiagnostikers zu tauschen. Aber wann ist der Brillenwechsel sinnvoll oder gar notwendig? Das zweite Thema betrifft die letzten Fragen. Pörksen sieht im Tod ein „furchtbares Faktum“ und „einen Feind“, Schulz von Thun redet von „lebenssatter Müdigkeit“ und „sanftem Hinübergleiten“. Über das Ende aller Kommunikation gibt es keinen Konsens. O Herr, gib jedem seinen eignen Tod (Rilke)

Das Buch ist weniger eine wissenschaftliche Abhandlung, es ist eher ein Lebenshilfebuch. Und es bleibt ein sympathischer Graben zwischen Wissenschaft und Lebenskunst. (27.10.2014)

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Herrenmode

Werbung

Smarte Herrenmode und stilsichere minimalistische Werbung von Strokesman`s. Man beachte das Würstchen. (25.10.2014)

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