Author Archive | SP Ballstaedt

Metaphern

Woher kommen die Wörter für abstrakte Begriffe wie „Theorie“, „Entscheidung“, „Verstehen“, Erfahrung“ usw. Sie sind für die menschliche Kommunikation unverzichtbar. Die Antwort vorweg: Für alle Abstrakta findet sich in der Sprachgeschichte ein konkreter Ursprung. Der entscheidende Mechanismus dahinter ist die Metapher!

Das Wort „Metapher“ ist selbst eine Metapher, denn im Griechischen bedeutet meta-phora HINÜBERTRAGEN. Eine Metapher überträgt die Bedeutung eines Wortes aus einem Bereich in einen anderen. Wenn man z.B. von einem „süßen Baby“ spricht, dann überträgt man ein angenehmes Geschmackserlebnis auf einen Säugling, der aber sicher nicht zum Verzehr geeignet ist. Oder wenn man von einer „Stufe der Entwicklung“ spricht, dann überträgt man das Nacheinander von Schritten auf einer Treppe auf einen Veränderungsprozess. Die Alltagssprache ist durchsetzt mit Metaphern. Ein Politiker fordert “härtere Gesetze“ (hart kann ein Stein, aber kein Gesetz sein); „Konflikte sind ausgebrochen“ (das können eigentlich nur Vulkane); die „Wirtschaft wächst“ (das können nur Pflanzen und Tiere); „eine Warnung geht unter“ (das gilt im allgemeinen für Schiffe) usw.

Bei allen diesen Beispielen lässt sich beobachten, dass konkrete Wörter auf abstrakte Konzepte übertragen werden. Oder anders ausgedrückt: Wörter für abstrakte Konzepte gehen immer auf konkrete Wörter für wahrnehmbare Dinge zurück. Das Wort „abstrakt“ selbst geht auf das lateinische Verb „abstrahere“ zurück und bedeutet dort konkret ABZIEHEN. Ein Abstraktum ist also von der wahrnehmbaren Wirklichkeit abgezogen. – Dem Wort „Erfahrung“ sieht man seinen konkreten Ursprung noch an: „Dinge, die man auf der Fahrt“ erlebt hat (vgl. bewandert). – Das Wort „Entscheidung“ kommt von dem Verb „teilen, voneinander trennen“, das Wort „Diskussion“ kommt aus dem Lateinischen, „discutere“ bedeutet dort ZERLEGEN. – Als Schlussbeispiel das Wort „Verstehen“, das etwas schwieriger abzuleiten ist. Synonyme dazu offenbaren gleich den konkreten Ursprung: „begreifen“, „erfassen“, „durchschauen“, „kapieren“ (lat. capere = ergreifen). Verstehen hat seinen Ursprung in der Bedeutung „VOR ETWAS STEHEN“, um es besser wahrzunehmen und zu erforschen (vgl. auch „understand“ im Englischen).

Metaphern sind also ein wichtiger Motor der Sprachentwicklung. (11.06.2015)

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Mona Liesl

Wie man gleich mehrere Elemente der visuellen Kultur verwursten bzw. verkäsen kann, zeigt das Produktdesign der Demeter-Käserei „Monte Ziego“, die vor allem auch Ziegenkäse herstellt. (09.06.2014)

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Die Mona Lisa als Milchkuh mit Bollenhut nicht vor toskanischer, sondern vor schwarzwälder Landschaft. Foto: St.-P. Ballstaedt (nach Genuss eines Camembert)

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E-Zigaretten-Rauchverbot

In einem Studienzentrum in Bochum habe ich erstmals ein Rauchverbotsschild für E-Zigaretten gesehen. Die ISO (International Standards Organisation) begann 2011 mit der Harmonisierung von Sicherheitspiktogrammen aus Ländern in aller Welt. Es entstand ein globales System, die ISO 7010, das laufend aktualisiert wird. Hier das E-Zigaretten-Verbotsschild der Firma Brady, die sich auf normenkonforme Sicherheitszeichen spezialisiert hat. (08.06.2015)

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„Das neueste Sicherheitsschild in unserem Sortiment, ein Verbotsschild für E-Zigaretten, ist ein Paradebeispiel für die Innovation und die vorausschauende Mentalität von Brady“. Quelle: Brady.

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Manipulation mit Bildern

Dass mit Bildern gelogen und manipuliert wird, ist wahrlich keine neue Erkenntnis.

Aktuelles Beispiel: Russland hat die Satellitenfotos manipuliert, die als visuelle Argumente zeigen sollten, dass der Flug MH17 von Ukrainern abgeschossen wurde. Methode: Retusche und Bildbearbeitung (Photoshop). Eine alte Aufnahme wird aufgehellt und kontrastverstärkt, es kommen ein paar Wolken dazu und vor allem werden Flugabwehrraketen hineinmontiert.

Frecher ist eine andere Methode: Interpretation. Man erinnere sich an die Rede des amerikanischen Außenministers Colin Powell vor dem Sicherheitsrat, die er ebenfalls mit Satellitenfotos unterstützte. Sie zeigten angeblich den Besitz von Massenvernichtungswaffen im Irak. Bei den üblichen Unschärfen dieser Bilder kam die Sehanleitung sehr gelegen und war erfolgreich: Der Irakkrieg konnte beginnen.

Und noch eine dritte Methode: Ausschnittwahl. Die Fotos des Charlie-Hebdo-Trauermarschs in Paris gingen um die Welt: Staats- und Regierungschefs verschiedenster Nationen führen Arm in Arm den Demonstrationszug an. In Wirklichkeit hat man das Foto in einer abgesperrten Nebenstraße aufgenommen und nur durch den Ausschnitt den Eindruck der machtvollen Solidarität erzeugt. (04.06.2015)

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Pressefoto und Aufnahmesituation bei der Charlie-Hebdo-Demo. Quelle. Twitter

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Sirrende Gurke

Dieser dadaistische Spruch auf einer Tübinger Hauswand wurde bereits am 7.11.2009 von Agios Fonasontas aufgenommen und ins Web gestellt und der Anschrieb existiert heute noch. Allerdings zeigt ein Schriftvergleich, dass der Spruch erneuert wurde, trotz Überwachungskamera. (29.05.2015)

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Die Verben „sirren“ und „haspeln“ stehen übrigens im Duden. Aktuelles Foto: Max Steinacher.

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Dissen

Das Verb kommt aus dem Amerikanischen (to diss = beschimpfen, verächtlich machen) und ist ein Kunstwort aus dem lateinischen und englischen Präfix dis-, das eine Verneinung, ein Nichtvorhandensein oder das Gegenteil ausdrückt (im Deutschen z.B. diskreditieren, diskriminieren). Dissen bedeutet, einen Menschen oder eine Gruppe in jeder Weise verneinen, verächtlich machen, beschimpfen, beleidigen usw. Das Verb ist über die Hip-Hop-Sprache nach Deutschland eingewandert. Heute habe ich es im Sportteil der Frankfurter Rundschau gefunden. (26.05.2015)

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Bodywear

Unter der Überschrift „Aufmerksamkeit“ habe ich schon einmal ein Werbemotiv des Wäscheherstellers Mey präsentiert, das die Agentur Jung von Matt entworfen hat. Jetzt habe ich noch eines entdeckt, dessen Mehrdeutigkeit und Text-Bild-Komplementarität erotisch und frech daherkommt. Die abweichende gRoß- uNd KleInSchREibUng ist als Eyecatcher nervig und überflüssig. (25.05.2015)

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Warum Frauen sich so oft in einen Arsch verlieben. Quelle: Jung von Matt

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Roter Stern

Der fünfzackige rote Stern ist ein Symbol für die sozialistische bzw. kommunistische Weltanschauung und für die internationale Arbeiterbewegung, jeder Zacken steht für einen Kontinent. Die RAF hat ihn als Kombination mit einem Maschinengewehr als Logo benutzt. In der gefundenen Variante ist nicht gut erkennbar, ob ein männlicher oder ein weiblicher Revolutionär mit der Faust den Stern durchbricht. Auch die linksextremistische Rote Zora hat den fünfzackigen Stern im Logo. (23.05.2015)

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Ein Dreigestirn am Parkhaus am Stadtgraben in Tübingen. Foto: St.-P. Ballstaedt

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Brunzen

Das Wort, dass in mir die Vorstellung eines dampfenden Strahls aufruft, ist im Duden als „landschaftlich derb“ gekennzeichnet. Als es etwa im 15. Jahrhundert aufkam, war es aber ein normales, anständiges Wort für den Vorgang des Urinierens. Im Deutschen Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm wird es ausführlich behandelt, auch mit seinen lexikalischen Derivationen: der Brunz für Urin oder der Brünzel für den Penis. Aber schon damals hatte das Wort einen Bedeutungswandel erfahren hin zu einem umgangssprachlich ordinären Wort. Dieser Vorgang wird Pejoration genannt, es hat auch andere Wörter getroffen wie Weib, Pfaffe, Visage usw.

Beim Stichwort „brunzen“ fühlen sich die Gebrüder Grimm zu einer Verteidigung dieser Wörter aufgerufen, weil ein Kollege Johann Christoph Adelung sich mit derartigen Wörtern nicht abgeben wollte: „Adelung sieht wol ein, dasz dieses wort anfangs ein anständiges war, allein es sei mit allen seinen Ableitungen nunmehr schon lange dem niedrigsten pöbel preisgegeben worden, daher er sich nicht dabei aufhalten wolle, als wenn es nicht die pflicht der sprachforschung wäre, solchen wörtern, die herabgekommen sind nicht weil sie das Volk in ihrer natürlichen geltung festhielt, sondern weil die vornehme welt sie durch fremde, nichts sagende verdrängte und zuletzt vergasz, gleichsam die Ehre zu retten“ (Bd. 2, S. 442). Da haben die beiden recht: Was ist schon urinieren gegen brunzen! (22.05.2015)

 Brunzer Kopie

Kleiner Brunzer in einem Gemälde des flämischen Malers Gerard Horenbout (1510-20).

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