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Dirndl

Auf jedem Volksfest, auf jeder Musikvereinsfeier: Dirndl und Lederhose sind in Mode. Bald werden die Züge nach und von Bad Cannstatt wieder von Trachten gestürmt. Die Dirndl-Mode ändert sich zu jeder Saison, woher kommt nur dieser Hype? Zugeben sehen Frauen jeden Alters im Dirndl gut aus (was man von den Lederhosenknaben nicht unbedingt sagen kann). Das Feminine wird betont: bunte Röcke (70 cm), Mieder (ganz wichtig: Dekolleté), Schürzen, Häkelstrümpfe, dazu Spitzen, Schmuck (Herzchen, Kreuze), Lodentäschchen. Schon irgendwie schräg!

Peinlicherweise fühle ich mich an die Lederhosen-Filme der 70er Jahre erinnert: „Unter dem Dirndl wird gejodelt“, von Alois Brummer (1974 mit Konstantin Wecker). Die sexuelle Revolution in ihrer prüden Variante. Der Streifen „Liebesgrüße aus der Lederhosn“ brachte es auf sechs Fortsetzungen! Im Nachtprogram der Privaten hat das typisch deutsche Filmgenre überlebt. (13.09.2014)

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Dirndl-Mode wirkt sehr feminin und attraktiv. Quelle: http://www.filmstarts.de

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Punzierung

Schulschwestern

Sparsam gepunzt, aber schwer zu lesen: Türschild der Kongregation der Armen Schulschwestern Unserer Lieben Frau in Bad Niedernau (11.09.2014)

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Abschlauchen

Immer auf der Pirsch nach neuen Wörtern bin ich im Schwäbischen Tagblatt auf die Überschrift „800 Liter Diesel abgeschlaucht“ gestoßen: Auf einer Baustelle wurde Kraftstoff gestohlen. Das Verb „abschlauchen“ steht nicht im Duden, ist aber ein Fachwort aus dem Weinbau: Abschlauchen = das durch Umfüllen von einem Fass in ein anderes erfolgende Abziehen des klaren jungen Weins vom Trub (Bodensatz), der sich angesammelt hat. (10.09.2014)

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Abschlauchen kann man alle erdenklichen Flüssigkeiten. Quelle: Def-Stef & Ultimo auf: http://abschlauchen.blogspot.de/2006_07_01_archive.html

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Fremd- zu Lehnwörtern

Im Antiquariat habe ich für 1,00 Euro Dr. Friedrich Köhlers Fremdwörterbuch erstanden, etwa aus dem Jahr 1909. Beim Blättern fallen viele Fremdwörter ins Auge, die es nicht geschafft haben, als Lehnwörter in das Deutsche aufgenommen zu werden: Abolieren (= tilgen, abschaffen), persuadieren (= überreden), Joujou (= Spielzeug), Karrete (= kleiner schlechter Wagen), Malediktion (= Verwünschung), Flatterie (= Schmeichelei). Auffällig: Alle Fremdwörter sind Gallizismen, kommen also aus dem Französischen. Als Lehnwörter aufgenommen wurden hingegen Ressort, Fontäne, Ressource, Perücke, Toilette, Biskuit. Sie stehen heute im Duden. Warum schafft es ein Wort in den Wortschatz und ein anderes nicht? (08.09.2014)

Wörterbuch

Ein Fremdwörterbuch, das um 1900 (man beachte die Covergestaltung!) vor allem Gallizismen aufführt. Foto: St.-P. Ballstaedt

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Claim

Pinkeln

Prägnante Werbeaussage auf den Straßen von Westerland (Sylt). Foto: St.-P. Ballstaedt (07.09.2014)

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Sylt

Auch hier kann man die vollständige Funktionalisierung der Landschaft beobachten, die ich schon für den Schwarzwald um Wildbad festgestellt habe. Das Insel-Marketing spricht zwar immer noch unverdrossen vom Erlebnis unberührter Natur, aber die ist eingezäunt, mit Schildern markiert und nicht begehbar. Der Mensch greift sich Stück für Stück: Hier ein Parkplatz, da ein Gasthaus oder wenigstens Kiosk, dort eine Forschungsstation, Ferienwohnungen in den Dünen, ein Golfplatz, eine Reitschneise, eine Spiel- und Bungee-Anlage, ein Trampolin und sogar Hundeabkotflächen. Ebenso der Strand, den man in Westerland nur mit einer „Gästekarte“ betreten darf: Abschnitte für FKK, für Hunde, für Surfer, Strandsauna usw. Alles eingeteilt und die Wellen fressen weiter an der Insel, „welche die Natur nicht will.“, so der Direktor des Zentrums für Meeres- und Klimaforschung.

Den Nachrichten aus Schleswig-Holstein habe ich entnommen, dass auf der Nachbarinsel Föhr ein Industriekomplex geplant ist, der etwa 30 Fussballfelder einnehmen wird! Auf einer Insel im Wattenmeer! (04.09.2014)

Sylt

Die Landschaft durchfunktionalisiert. Aus einem Hinweisschild auf Sylt. Foto: St.-P. Ballstaedt

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Hinrichtungsvideo

Dass Menschen der Kopf abgeschlagen wird, gehört zur Ikonografie vieler Actionfilme (Kill Bill). Als Hussein gehenkt wurde, gab es aber Bedenken, derartige Bilder in unsere Fernsehzimmer zu lassen. Aber auf Youtube wurde das Video über 14 Millionen Mal angeklickt. So wird auch das Video von der Enthauptung des US-Kriegsjournalist Foley sein Publikum finden. Ebenso wie die Folterfotos aus Abu-Ghuraib. Susan Sontag hat in ein Buch mit dem Titel „Das Leiden anderer betrachten“ geschrieben. Zitat: „Anscheinend ist der Appetit auf Bilder, die Schmerzen leidende Leiber zeigen, fast so stark wie das Verlangen nach Bildern, auf denen nackte Leiber zu sehen sind. In der christlichen Kunst boten Höllendarstellungen jahrhundertelang eine Möglichkeit, die beiden elementaren Bedürfnisse zu befriedigen.“ (50). „Für viele Menschen in den meisten modernen Kulturen sind Chaos und Blutvergießen heute eher unterhaltsam als schockierend.“ (29.08.2014)

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Der US-Journalist James Foley kurz vor der Enthauptung durch die Gruppe Islamischer Staat. Quelle: Internet

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Denktipp

Think2

Verbleichendes Graffito an einer Betonmauer der Haußerstraße in Tübingen. Foto: St.-P. Ballstaedt (28.08.2014)

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Zigeunerwurst

Das Zigeunerschnitzel ist von den Speisekarten verschwunden und zum Paprikaschnitzel mutiert, aber meine geschätzte Zigeunerwurst (mit Chili!) einer schwarzwälder Metzgerei gibt es noch: mit Sombrero und Kaktus auf der Pelle! Sie gehören zur typischen Ikonografie von Mexiko, aber ich assoziiere dabei nicht Sinti und Roma. Aber meine Tsiganologie-Recherchen haben ergeben: Es leben „Gitanos“ in Mexiko. Es gab zwei Einwanderungswellen vor allem aus Ungarn, eine um 1890, eine von 1918 bis 1939. Die Gruppen der Roma und Ludar sind auch in Mexiko diskriminiert, man begegnet ihnen mit Misstrauen. Sie schlagen sich als Textilhändler und Künstler durch. Was eine Wurst doch für einen Erkenntnisgewinn bringen kann! (26.08.2014).

Zigeunerwurst

Keine political correctness an der Wursttheke: Foto: St.-P. Ballstaedt

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