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Leberwurst

Woher kommt die Redewendung „eine beleidigte Leberwurst“? Warum ausgerechnet die Leberwurst und nicht die Mettwurst oder Schinkenwurst beleidigt sein kann, habe ich nie nachvollziehen können.

Das Sprichwort ist erst im 19. Jahrhundert belegt, aber seine Ursprung geht wohl weiter zurück. Die Leber galt in der Antike als Sitz der Gemütsbewegungen, sie produziert zudem die gelbe Galle, die in der antiken Humoralpathologie den cholerischen Charakter hervorbringt. Die Leber ist damit ein guter Kandidat für negative Gefühle. Man kennt auch das Sprichwort „ihm ist eine Laus über die Leber gelaufen“, wenn jemand schlechte Laune hat (warum allerdings eine Laus, das ist ein anderes Problem).

Aber wie kommt die Übertragung auf die Wurst zustande? Hier wird gern auf eine Volksmärchen aus Sachsen verwiesen: „Prinzessin Dumpfbacke geht baden“. Es wird dort erzählt, dass ein Metzger Würste gekocht habe und alle anderen Würste, die nicht so lang kochen mussten, vor der Leberwurst aus dem Kessel genommen habe. Weil die Leberwurst allein im Kessel zurückbleiben musste, war sie beleidigt und platzte vor Wut.

Gefunden habe ich das Märchen allerdings trotz intensiver Recherche nicht. (27.04.2020)

Eine beleidigte Leberwurst, sie enthält etwa 40% Leber, gewöhnlich vom Schwein. Quelle: Rochus Wolff, flickr

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Historischer Humor 11

Über welche Witze man im Mittelalter gelacht hat, dass wissen wir nicht. Erhalten sind aber zahlreiche Schwänke unterschiedlicher Qualität. Der Mediävist Hanns Fischer hat viele gesammelt und übersetzt, die meisten sind anonym, aber es gibt auch bekannte Namen: Hans Folz, Claus Spaun, Hans Rosenplütz u.a.m.

Im Mittelalter kann man einen Humor von oben und einen Humor von unten unterscheiden. Humor zum Vortrag in adligen Kreisen hat oft die Dummheit und Grobheit der Bauern zum Inhalt, er sollte die gehobene Schicht von den unteren Ständen abgrenzen. Ein Beispiel ist der berühmte Veilchenschwank des Neidhart von Reuental, der in zahlreichen Varianten verbreitet war. Hier meine Kurzversion:

Der Ritter Neidhart findet das erste Veilchen des Frühjahrs auf einer Wiese und bedeckt es mit seinem Hut, um es später wieder zu finden. Einer Tradition folgend beabsichtigt Neidhart, die Herzogin und ihr Gefolge an den Fundort zu führen, sodass diese die erste Frühlingsblume selbst pflücken kann. – In der Zwischenzeit pflückt ein Bauer das Veilchen und versteckt einen Kothaufen unter Neidharts Hut. – Als die edle Dame erwartungsvoll den Hut lüftet, findet sie den Kothaufen, ist empört und der Ritter Neidhart gedemütigt. – Die Bauern tanzen ob des gelungenen Streichs, aber Neidhart nimmt Rache und lässt jedem das linke Bein abhacken, damit sie nie wieder tanzen können.

Es geht wenig zimperlich in den Schwänken zu. Der Humor von unten hat ein anderes Thema: Hier lacht man über die Auseinandersetzung zwischen Klugheit und Dummheit, vor allem im Spannungsfeld der Geschlechter. Dabei ist meist die Frau die Klügere, die Männer sind Tölpel. Oft geht es dabei um einen Liebhaber, die Frauen werden als sexuell aktiv dargestellt, die Sexszenen sind zwar metaphorisch, aber unmissverständlich dargestellt.

„Er gab ihr gleich den Schaffenstiel in ihre Hand, und sie setzte ihn dort an, wo er ihr am besten tat“ (aus Fischer 1973: Minnedurst, S. 97)

Auch hier sind die Erzähler nicht zimperlich, es wimmelt von geilen Pfaffen, liebesdürstigen Frauen, angespitzten Vaganten. Hanns Fischer sieht in der drastischen Darstellung von Sexualität ein Gegenstück zu der „idealisierten Schönfärberei des  höfischen Romans“, in dem die Hohe Minne gefeiert wurde. (24.04.2020)

 

 

 

 

 

Meine Quelle: Hanns Fischer: Pfaffen, Bauern und Vaganten. Schwankerzählungen des deutschen Mittelalters. München: Deutscher Taschenbuchverlag,  1973.

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Corona

Ein Bild, das wir in irgendeiner Variante jeden Tag in Zeitungen, Zeitschriften und im Fernsehen sehen: das Corona-Virus. Eine wissenschaftliche Abbildung, die vielleicht so bekannt wird wie die Doppel-Helix. Im Elektronenmikroskop sehen die Viren unspektakulär aus, aber die Falschfarben-3D-Darstellung mit den roten Spikes wirkt aggressiv. Das 120 bis 160 Nanometer große Virus besitzt eine kugelförmige Hülle auf der die typischen keulenförmigen Spikes angeordnet sind, dem das Virus den schönen Namen Corona verdankt (lat. Kranz, Krone). Mit diesen sogenannten Peplomeren kann das Virus an einer Zelle andocken. Im Inneren der Kugel liegt aufgedreht der RNA-Strang aus etwa 27.600 bis 31.000 Nukleotiden. Das Bild gehört zur Ikonografie der Seuche, wie der Mundschutz und die Maske. (19.04.2020)

Unter dem Elektronenmikroskop bleich und unscheinbar, als wissenschaftliches Computerbild bedrohlich. Quelle beider Bilder: Wikimedia Commons.

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It’s nice

Gefunden am Kupferbau in der Hölderlinstraße in Tübingen. Der Satz wird wohl Hölderlin in den Mund gelegt. Foto: St.-P. Ballstaedt (17.04.2020)

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Windeier und Weicheier

In meinem Osterkorb liegen dieses Jahr Weicheier und Windeier.

Weicheier sind wachsweich gekochte Eier und in übertragener Bedeutung Personen – in der Regel Männer –, die nicht besonders mutig sind und auch nicht zu ihrer eigenen Meinung stehen. Sie sind sehr vorsichtig und meiden gefährliche Situationen. Es handelt sich um eine Wortmetapher. Die wächserne Weichheit des gekochten Eis wird auf die Weichlichkeit einer Person übertragen.

Windeier, das sind Vogeleier, die ohne Kalkschale gelegt wird und nur von einer dünnen Haut zusammengehalten werden. Die Bezeichnung stammt aus dem Lateinischen ova subventanea). In der Medizin ist ein Windei eine Form der Fehlgeburt, wenn ein befruchtetes Ei sich nicht zu einem Embryo entwickelt. Auch hier gibt es eine übertragene Bedeutung: Ein Windei ist eine nicht ausgereiftes Projekt, oder bei den Gebrüdern Grimm ein hohles Geisteserzeugnis, ein aussichtsloser Plan oder eine lügnerische Behauptung. (12.04.2020)

Ein Windei und ein Weichei. Frohe Ostertage. Quellen: Timo Rieg, Wikimedia Commons; Reinhard Kirchner, Wikimedia Commmons

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Kreuzweg

In Derendingen wurde diese Ostern ein Kreuzweg durch den Ort bis zur Kirche eingerichtet. Das Besondere daran: Jede der 14. Stationen wird mit einem Piktogramm dargestellt. Auf dem gelbem Hintergrund der Ortsschilder sieht man nur schwarze Linien, die das Geschehen schematisch und abstrakt darstellen. Ohne Kontext sind die Piktogramme nicht verständlich, deshalb sind die Stationen unter dem Bild benannt und mit einem kurzen Text versehen, der zum Nachdenken Anlass geben soll. Gestaltet hat die Piktogramme der Grafik-Designer Werner Ahrens, er schreibt dazu: „Die Piktogramme sollen den Menschen die Chance geben das Gewohnte anders zu sehen. Sie sollen dem Einzelnen die Chance geben, im eigenen Erleben und im eigenen Tun aktuell vor Ort zu sein. Darum auch die gelben Ortsschilder.“ – „Die Grafiken sollen die Fantasie ansprechen und jedem Einzelnen die Möglichkeit geben, einen persönlichen Kreuzweg zu gehen.“ Wie meiner Meinung nach oft, überschätzen die Künstler die Wirkung ihrer Produkte. Die Idee ist nicht schlecht, aber ästhetisch nicht der große Wurf. (11.04.2020)

Über den Ort verteilt: Die 14 Stationen des Kreuzweges mit einem Piktogramm. Wer sie sich genauer anschauen will, kann ins Bild klicken oder noch besser auf die Website pfarrbriefservice gehen. Foto: St.-P. Ballstaedt

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Heiliger Keks

Diesen Aufkleber habe ich an einem Mast vor dem Leibniz-Kolleg in Tübingen in der Brunnenstraße 34 entdeckt. Das kann wohl kein Zufall sein. Ich habe dort viele Jahre unterrichtet und weiß, dass sich die Leibnizianer untereinander als Kekse bezeichen. Foto: St.-P. Ballstaedt (09.04.2020)

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Vergleichsbilder

Wenn zwei ähnliche Bilder nebeneinandergestellt werden, wird fast automatisch eine Suche nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten ausgelöst. Bei diesem Vergleich ist die visuelle Aufmerksamkeit gefordert, mit Blickbewegungen werden die Bilder abgesucht.Vergleichsbilder können Veränderungen über die Zeit (vorher – nachher), verschiedene Handlungen (richtig – falsch) und Unterschiede im Aufbau (Version 1 -Version 2) vermitteln.

Visuelle Vergleiche sind in vielen Bereichen anzutreffen. In der Werbung zur Gewichtsreduktion oder gegen abstehende Ohren (vorher – nachher), In Frauenzeitschriften werden Frisuren gegenübergestellt (alt – neu). Visuelles Vergleichen ist in der Wissenschaft ein erkenntnisgenerierendes Verfahren: In der Medizin werden tomografische Aufnahmen miteinander verglichen, um Krankheits- und Heilungsprozesse sichtbar zu machen. In der Astronomie werden Aufnahmen zu verschiedenen Zeitpunkten auf Veränderungen abgesucht. Auch didaktisch sind Vergleichsbilder nützlich, um Unterschiede zu lernen, z.B. korrekte Handgriffe in Bedienungsanleitungen (falsch – richtig).

Früher fand man in allen Illustrierten auf der Rätselseite Vergleichsbilder, die sich in einigen Details unterschieden: „Die Bilder unterscheiden sich in zehn Merkmalen. Finden Sie sie in zwei Minuten!“ Neuerdings kehren die Vergleichsbilder wieder zurück: Als Übungen für Senioren als Demenzprävention, z.B. in Apothekerzeitschriften. Es gibt auch Websites, die visuelle Aufgaben anbieten, teilweise sehr anspruchsvolle z.B. auf Suchbilder oder Raetseldino. (07.04.2020)

Vier Beispiele für Vergleichsbilder: 1. Werbung: Abnahmeerfolg durch Pillen (Werbung für Keto im Web); 2. Technische Kommunikation: richtiger Einsatz einer Faßpumpe (Bautz Betriebsableitung Diesel-Schlepper 14 PS, 1956, S.17); 3. Lehrbuch der Botanik: die verschiedenen  Blütenstände (Wikimedia Commons); 4. Tageszeitung: Rätselseite (Scan aus der Südwestpresse vom 27.3.2020).

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Krisenvokabular

In der Wortwarte habe ich einmal nachgeschaut, welche neuen Wortbildungen die Corona-Krise hervorgebracht hat. Hier eine Liste:

Außer-Haus-Verbot, coronalastig, Homeofficierung, Isolationseinrichtung, Zuhause-Langeweile, Heimschick-Dienst, Zombiebakterien, Gemüsespende, Kitaverbot, Verangstwortung, Zustellfenster, Infektionsmonitor, Exit-Strategie, Coronavirus-Lockdown, Coronaparty. (01.04.2020)

Herdenimmunisierung, Klopapierhamstern, Nullinfektion, Pandmiebestimmung, Vollquarantäne, Coronabunker, Homeoffice-Garderobe, Streaming-Ereignis, Desinfektionstrupp, Zimmerquarantäne, Rückholticket, Ansammlungsverbot, Behelfsmaske, Flexisemester, Masken-Rohling, Rentner-Virus, Zoombombing. (13.05.2020)

Nachtrag: Im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) findet man ein Themenglossar zu Covid-19 (29.04.2020)

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Notruf

Hier war wohl jemand mit dem Einsatz nicht zufrieden. Gefunden auf einer Betonwand in der Brunnenstraße in Tübingen. Foto: St.-P. Ballstaedt (29.03.2020)

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