Frühling

„Frühlingfrühlingfrühling. So nah war Deutsch ihr noch nie gegangen. Wenn sie nicht aufpaßte, war sie gleich stolz auf diese Sprache; weil, glaubte sie, Frühling nirgendwo offenbarender, und doch nicht flach werdend, ausgedrückt sein kann. Frühling, ein schöneres Wort dafür konnte es nirgendwo geben.“

Diese Passage aus Martin Walser: Der Augenblick der Liebe (2004, S. 110) hat mich nach dem Ursprung des Wortes suchen lassen. Als Gegensatz zum Herbst als Spätling wird im 15. Jh. das Wort “vrüeling” bzw. “frieling” abgeleitet. Es tritt neben Lenz als damals übliche Bezeichnung. Bei Luther ist der Frühling auch ein früh im Jahr geborenes Tier (wie Frischling). Auch als vor der Zeit geborenes Kind wird das Wort verwendet (heute Frühchen). Analoge Bildungen mit -ling als Suffix: Setzling, Neuling, Findling, Täufling. Alle diese Substantive sind männlich und haben bei Personen oft eine abwertende Bedeutung: Widerling, Wüstling, Feigling, neuerdings auch Primitivling oder Naivling. (21.03.2018)

Die Wortbildung findet sich häufig bei Pilzen: Tintling, Ritterling, Porling, Rehling, Röhrling, Krempling, Egerling, Borstling, Becherling, Schirmling usw. Im Bild ein Spei-Täubling. Quelle: Wikimedia Commons: James Lindsey at Ecology of Commanster

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