Lapsus linguae

Der Vorsitzende der Grünen, Robert Habeck, hat einen Tweet abgesetzt, der Ärger erregt hat.  Zur anstehenden Wahl schrieb er, dass „Thüringen ein offenes, freies, demokratisches Land werden“ soll. Die Präsuppositionen der Aussage sind klar, und die Sprache offenbart oft einen Blick in das Denken. Peinlicherweise sitzen die Grünen in Thüringen seit etwa vier Jahren in der Regierung!

Noch ein Beispiel: Unser Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer hat es auf Platz 2 des Unworts des Jahres 2018 gebracht. Ebenfalls in einem Twitter-Beitrag hatte er im Zusammenhang der Seenotrettung von Flüchtlingen von “Menschenrechtsfundamentalismus“ gesprochen. Die Jury sah darin einen „zynischen Ausdruck“. Palmer wehrt sich vehement gegen diese Interpretation, indem er das Wort im politischen Kontext anders gemeint haben will.

In Twitter wird zwar geschrieben, aber die Beiträge sind in Form und Inhalt eher an der mündlichen Kommunikation orientiert, die weniger kontrolliert abläuft wie die schriftliche. Jaron Lanier „Soziale Medien verwandeln dich in ein Arschloch“, sie befördern extreme Formulierungen und Meinungen. Andererseits: Die Sprachkontrolle, die sich professionelle Politiker auferlegen, ist mir ein Graus. Da ist mir eine sprachliche Entgleisung lieber als die schablonenhafte, möglichst absichernde Sprache, hinter der die Persönlichkeit eines Menschen völlig verschwindet. (16.01.2019)

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