Maskerade

Zuerst war ich überrascht, wie schnell man sich dran gewöhnt hat, dass in geschlossenen Räumen alle mit einem Mund- Nasen-Schutz herumlaufen. Aber inzwischen spüre ich doch deutlich, was mir an visueller Kommunikation entgeht, wenn mir z.B. eine Bedienung einen Kaffee serviert. Fast zwanghaft denke ich daran, wie Sie hinter der Maske aussieht und ob sie mich freundlich oder missmutig bedient. Menschen grüßen mich unter der Maske und ich  erkenne sie nicht gleich oder sogar gar nicht. Ich empfinde einen Drang, diese Personen zu entlarven.

Nicht umsonst maskieren sich Menschen z.B. im Karneval, um nicht erkannt zu werden und damit vorrübergehend eine andere Identität annehmen zu können. Bei den venezianischen Halbmasken im Karneval wird die Augenpartie abgedeckt, aber nicht der Mund, um das Sprechen zu ermöglichen.  Der Verlust an visueller Kommunikation ist hier beabsichtigt, wie ja auch beim Verschleiern der Muslimas. Ein unerfreulicher Gedanke, dass unser Corona-Maskierung eine andauernder Zustand bleibt, und wir öffentliche Räume wie die Bankräuber betreten müssen. (13.09.20)

Mit Zorro-Maske sehe ich fast besser aus als ohne. Foto. St.-P. Ballstaedt

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