Public Viewing

Jetzt treffen sie wieder vor den Großbildleinwänden zusammen, um gemeinsam Fußball zu schauen. Public Viewing als eine neue Form der Öffentlichkeit seit 2005, als die FIFA gnädig die kostenlosen öffentlichen Übertragungen genehmigte. Soziologisch handelt es sich um unorganisierte Kollektive, eine Ansammlung von Personen, die aufgrund gemeinsamer Werte und Normen ein Gefühl der Zusammengehörigkeit entwickeln. Es geht um das kollektive Ausleben von Gefühlen der Freude, Angst, Trauer, Wut. Die Ansteckung und Verstärkung von Gefühlen in der Masse hat schon Gustav le Bon beschrieben, allerdings mit deutlich abwertender und warnender Absicht. Ich sehe im Public Viewing eher ein Art Gefühlsbordell, in dem man sich emotional einmal ausleben kann. (23.06.2014)

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Tröstliche Botschaft

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Diesen Aufkleber habe ich auf dem Campus der Westfälischen Hochschule entdeckt. Nach meinen Recherchen steckt Jesus Poeple dahinter. (22.06.2014)

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E-Comics

Auch die Comics haben den Sprung in die digitale Welt geschafft. Man schaut sie auf Tablets oder Smartphones an, blättert, wischt oder scrollt von Bild zu Bild. Aber es geht nicht einfach um eingescannte klassische Comics, sondern um die Entwicklung einer neuen Form, bei welcher der Comic teilweise animiert und mit Musik oder Ton unterlegt werden kann. Es wird sozusagen eine Lücke zwischen stillen Bildern und dem Film geschlossen. Für die digital graphic Novel braucht man ein E-Book-Lesegerät oder eine App für Smartphone bzw. Tablet. In Deutschland ist vor allem Daniel Lieske mit seiner Wormworld Saga am Start. Nicht zuletzt wegen der hohen Investitions- und Herstellungskosten ist das große Geschäft mit E-Comics noch nicht zu machen, aber ich würde auf eine erfolgreiche Zukunft wetten. (22.06.2014)

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Das aktuelle Logo der Wormworld Saga

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Pornofilmchen

Aus rein wissenschaftlichen Motiven habe ich wieder einmal Pornos im Web angeschaut (Youporn, Pornhub usw.). Das wird immer mühsamer, da laufend diverse Angebote aufpoppen, oft mitten im Bild. Man muss navigieren wie zwischen rohen Eiern, ein falscher Klick und schon landet man auf einer anderen Seite mit expliziten Inhalten. Was fällt mir auf: Das Ende des professionellen Pornos. Man sieht keine Studioaufnahmen, sondern die Aktionen spielen auf der heimischen Terrasse, auf der Fernsehcouch oder auf dem Toilettensitz. Beliebt sind auch Parkplätze und die freie Natur. Die sexuellen Praktiken bleiben immer dieselben, aber die Ausdauer der Agierenden wird immer erstaunlicher, denn die Filmchen werden länger! Die Aufnahmen zeigen verwegene Perspektiven, sind aber schlecht ausgeleuchtet und oft unscharf. Manchmal sieht man den Schatten des Kameramanns bzw. der Kamerafrau oder es ragt das Mikro für die Stöhn-Atmo ins Bild. Die Filmchen bieten eine Ästhetik des Schmuddeligen und Dilettantischen, aber für eine Not-Ejakulation wird es wohl reichen. (19.06.2014)

Kanalarbeiten

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Selfies

Selbstportraits sind ja nichts Neues, aber noch nie waren sie so einfach realisierbar wie mit einem Smartphone. Es wird zu einem Spiegel, dessen Abbild man mit einem Klick festhalten kann. Schaut man sich Selfies an, so fällt eine stark narzisstische bis exhibitionistische Komponente auf, man vergewissert sich seiner körperlichen Vorzüge, um sie anderen dann über das Netz zu präsentieren. Selfies gehören vor allem bei Jugendlichen und darunter vor allem bei Mädchen zum Impression Management: Man zeigt sich, wie man gesehen werden will. Die Selfies sind eine Gegenbewegung zu den biometrischen Passbildern und den standardisiert geschönten Bewerbungsfotos. (18.06.2014)

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Selfie vor französischer Literatur am 18.06.2014

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Hexenritt

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Pochoir an einer Häuserwand in der Tübinger Altstadt, vermutlich von einer feministischen Gruppe  (09.06.2014)

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Lektüre zur Typografie

Jan Filek (2013). Read/ability. Typografie und Lesbarkeit. Sulgen: Niggli Verlag.

Moderne Bücher zur Typografie leben aus der Spannung zwischen Gestaltern und Wissenschaftlern. Die Gestalter fühlen sich eher als Künstler, vertrauen auf ihr ästhetisches Feingefühl und urteilen forsch über Leserlichkeit oder Lesbarkeit. Die Wissenschaftler untersuchen in Laborexperimenten das Lesen in Abhängigkeit von typografischen Variablen und leiten daraus praktische Richtlinien zur Gestaltung ab.

Ein Buch, das beide Bereiche aufeinanderprallen lässt, hat der Art Direktor und Designer Jan Filek geschrieben: „Read/ablity. Typografie und Lesbarkeit“. Zuerst wird der Stand der Forschung zum Lesen zusammengefasst, vor allem was Blickbewegungen und Buchstaben- und Worterkennung betrifft. Dann wird die experimentelle Lesbarkeitsforschung kritisch referiert. Schließlich folgt der größte Abschnitt, in dem einzelne Merkmale der Gestaltung, z. B. Buchstabenabstand oder Strichstärke aus typografischer und wissenschaftlicher Sicht behandelt werden.

Was die Lektüre spannend macht: Die Wissenschaft bekommt kräftig den Kopf gewaschen: Immer wieder Schriftvergleiche, die ein oder zwei Variablen untersuchen, aber die Interaktionen zwischen typografischen Variablen außer Acht lassen, z. B. zwischen Schriftart und Schriftgröße. Die im Labor erhobenen Effekte von Schriften auf Diskriminierbarkeit, Lesegeschwindigkeit und Verständlichkeit sind oft geringfügig und häufig widersprechen sich. Fehlinterpretationen z. B. zur Überlegenheit der Serifenschriften führen zu sich zäh haltenden „wissenschaftlich fundierten“ Richtlinien. Da immer mehr Schriften entwickelt werden, z. B. für neue Leseoberflächen wie Monitore, Tablets und Smartphones, ist die Lesbarkeitsforschung ein gigantisches Arbeitsbeschaffungsprogramm für experimentelle Psychologen. Aber der Autor lässt keinen Zweifel: Wissenszuwachs und praktischer Nutzen sind gering. Die vielen wahrnehmungspsychologischen Variablen spielen sicher ein Rolle, z. B. beim Lesenlernen, werden aber später von „weichen“ Variablen wie z. B. die Gewöhnung an eine Schrift oder deren Anmutungsqualität überlagert.

Leider endet das Buch abrupt, es fehlt ein Wegweiser, wie eine produktive Zusammenarbeit zwischen Typografen und Wissenschaftlern aussehen könnte.

Dass das Buch in Typografie und Layout exquisit und ungewöhnlich gestaltet ist, versteht sich von selbst. (09.06.2014)

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Facebook ade

Heute habe ich mein Facebook-Konto deaktiviert und die Löschung beantragt. Dahinter steht keine kommunikationspolitische Entscheidung gegen ein soziales Netzwerk, sondern nur die Erkenntnis, dass ich diese Plattform zur Kommunikation schlicht nicht brauche, außer um bei anderen ein wenig herumzuschnüffeln. Ich habe nichts gegen digitalen Klatsch und Tratsch, aber an ihm beteiligen möchte ich mich nicht. (07.06.2014)

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Nackte Haut

Dass Nacktheit einen Eyecatcher darstellt, ist nun wirklich keine neue Erkenntnis, das belegen zahlreiche Werbekampagnen. Zwei Wissenschaftler an der Universität Tampere in Finnland haben in einer Studie mit Hirnströmen (ereigniskorrelierte Potenziale) das neuronale Korrelat dafür gefunden. Im okzipital-temporalen Cortex gibt es ein Areal, das für das Erkennen von Gesichtern bekannt ist, aber auch auf die Wahrnehmung von Körpern reagiert. Bei Präsentation von Bildern verschieden vollständig bekleideter Personen nahm die Reaktion linear mit der Menge an nackter Haut zu. Der Anblick menschlicher Haut wird offensichtlich verstärkt, denn die Reaktion war ausgeprägter als bei Gesichtern. Warum das so ist, darüber kann man nur spekulieren, aber es ist sicher nicht verwegen anzunehmen, dass es etwas mit dem Erkennen von Sexualpartnern zu tun hat. Übrigens: Männer reagieren besonders stark auf nackte Frauen, Frauen zeigen hingegen keine unterschiedlichen Reaktionen auf das Geschlecht der abgebildeten Person. (06.06.2014)

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Verschwunden

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Jetzt übermalt: Harald Naegeli hatte an den Eingang zum Hölderlinturm in Tübingen  eines seiner Strichmännchen gesprayt. In der Graphischen Sammlung der Tübinger Universität liegt als Schenkung sein graphisches Werk. Foto: St.-P. Ballstaedt

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Und noch ein verschwundener Nägeli in der Münzgasse in Tübingen. Foto: St.-P. Ballstaedt (04.06.2014)

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