Gerade in der Weihnachtszeit ist man für jedes ermunternde Wort dankbar, wie es z. B. dieser Link bietet. (20.12.2014)
Der Beginn
Ein rein typografisches Plakat Oktober 2014 in Barcelona: Alzheimer beginnt mit einem _ _ _ _ . Es wirbt für die Stiftung Pasqual Maragall. Er war 1982 bis 1987 Bürgermeister von Barcelona und gab 2007 seine Alzheimer-Diagnose bekannt. Foto: Max Steinacher (18.12.2014)
Geschenkpapier
Geschenkpapier hat sich aus dem ordinärem Packpapier entwickelt, das ursprünglich dem Transportschutz diente. Heute dient es als Sichtschutz und soll beim Empfänger Spannung und Überraschung bewirken. Originelle und extravagante Geschenkpapiere können vom einfaltslosen Inhalt ablenken. Geschenkpapier ist Teil unserer visuellen Kultur und ein wichtiges Thema vor Weihnachten: In welches Papier wickle ich mein Geschenk ein? Was kommuniziere ich mit der Wahl des Papiers? Der Trend geht weg von christlichen zu winterlichen Motiven wie Schneeflocken, Misteln, Tannenzapfen, Weihnachtssterne, Schneemänner, Hirsche, Rentiere oder Elche. Beliebt sind auch Retro-Motive z. B. Kupferstiche, alte Illustrationen oder Ornamente. Und wer keinerlei Interpretationsrisiko eingehen möchte, entscheidet sich für ein rein dekoratives Motiv. (17.12.2014)
Ein neumodische Papier mit Elchmotiv aus der Niehaus-Geschenkpapier-Edition und ein rein dekoratives Papier, gestaltet von Fotokünstler Bon Paul. Beide habe ich im Gutenbergblog gefunden.
Rebus 2: Topfpflanzen
Bilderrätsel oder Information? Piktogramme zur Pflege eine Zimmerpflanze. Scan: St.-P. Ballstaedt (15-12.2014)
Lokaljournalismus
Der Lokaljournalist soll nicht nur mit den Themen, sondern auch mit der Sprache nahe bei seinen Lesern sein. Im schwäbischen Tagblatt habe ich einige Headlines gesammelt, die der schwäbischen Umgangssprache nachempfunden sind:
Im Suff Ehefrau angeschossen
20-Jähriger pinkelt in Kontoauszugsdrucker. Kurz vor Mitternacht erleichterte er sich in den Kartenschlitz.
Sternhagelvoll: Vier Promille im Blut
16-Jähriger total besoffen zusammengebrochen.
Seniorin knallt im Suff mehrfach gegen die Leitplanke.
Besoffen Blödsinn betrieben
Verletzter Suffkopf randaliert mit 4,6 Promille.
Lollies-Konzert: Mann beim Pinkeln überfallen.
Die Hosen runtergelassen. Einen mutmaßlichen Exhibitionisten hat die Polizei am Sonntagmorgen geschnappt.
In den Schritt gegriffen. Ein Unbekannter hat am späten Samstagabend eine Fußgängerin in Waldhäuser-Ost…
Hier wurde dem Volk aufs Maul geschaut und deftig formuliert, was nachts auf Tübingens Straßen so abgeht. (14.12.2014)
Hasenfallen
Wörter sind die Stellvertreter für Begriffe, wir benutzen sie, um unsere Gedanken mitzuteilen, die sonst in den Windungen unseres Großhirns vorborgen blieben. Welcher Begriff und damit welche Bedeutung genau hinter einem Wort steht, bleibt unklar, eine (denotative) Kernbedeutung teilen wir innerhalb einer Sprachgemeinschaft, aber die (konnotativen) Nebenbedeutungen können erheblich voneinander abweichen. Welchen Sinn wir den Wörtern entnehmen, ist vom Sprechenden oder Schreibenden nur begrenzt steuerbar. Verstehen ist daher immer störanfällig oder fallibel, wie das Gerold Ungeheuer genannt hat.
Der chinesische Philosoph Zhuangzi (etwa 365 -290 v. Chr.) hat das bereits in folgenden Sätzen ausgedrückt: „Hasenfallen gebraucht man, um Hasen zu fangen. Wenn man die Hasen gefangen hat, kann man die Fallen vergessen. Wörter gibt es wegen der Bedeutung. Wenn man auf das gekommen ist, worauf die Wörter deuten bzw. den Sinn erfasst hat und damit zufrieden ist – kann man die Wörter vergessen.“
外物: 荃者所以在魚,得魚而忘荃;蹄者所以在兔,得兔而忘蹄;言者所以在意, 得意而忘言。吾安得忘言之人而與之言哉?
Wörter sind nur Stellvertreter, ist man mit einer erschlossenen Bedeutung zufrieden, endet die Interpretation! Die Wörter haben ihre Aufgabe erfüllt. (11.12.2014)
Totenköpfe
Es ist sonderbar, dass sich ein drastisches Zeichen wie ein Totenschädel mit gekreuzten Oberschenkelknochen über die Zeiten als Warnpiktogramm vor Lebensgefahr gehalten hat. Ursprünglich als Zeichen der Vergänglichkeit tauchen realistische Schädelabbildungen als Pesttafeln an Hauswänden und an Stadteingängen auf. Auf der Piratenflagge des Freibeuters Edward England ist der Schädel schematisierter, aber grinst frech und fröhlich. Die Darstellung wird zunehmend schematischer und karikaturhafter z. B. als Warnung vor Giften in der Chemie. Die modernste Version ist zahnlos und sieht eher wie ein Tierschädel aus. (10.12.2014)
Pesttafel aus Augsburg (1607 – 1635). – Die Flagge des Freibeuters Edward England (1717). – Das Gefahrenpiktogramm für giftige Substanzen nach der Richtlinie 67/548/EWG vom European Chemicals Bureau. – Piktogramm für akute Vergiftungsgefahr seit 2010 nach der Regulation on Classification, Labelling and Packaging of Substances and Mixtures (CLP). Quelle: Wikimedia Commons
Unterwegs
Etwas holprige Botschaft an einer Tübingen Betonwand in der Altstadt. Foto: St.-P. Ballstaedt (08.12.2014)
Old Shoe
In der Filmsatire „Wag the Dog“ von Barry Levinson mit Dustin Hoffmann und Robert de Niro (1997) wird von sexuellen Übergriffen des amerikanischen Präsidenten auf eine Schülerin abgelenkt, indem seine angeheuerten PR-Spezialisten für die Medien einen fiktiven Krieg mit Albanien erfinden. Unter anderem wird eine Solidaritätskampagne für einen angeblichen Kriegshelden angezettelt, der „discarded like an old shoe“ hinter den feindlichen Linien zurückgeblieben ist: Mit den Senkeln zusammengebundene Schuhe werden von Sympathisanten über Oberleitungen geschleudert. In Tübingen hat man das nachgemacht (06.12.2014).
Schuhpaare an über den Oberleitungen in der Nauklerstraße in Tübingen. Zur Vergrößerung ins Bild klicken. Foto: St.-P. Ballstaedt
Komplementarität
Eines meiner Spezialthemen ist die Text-Bild-Komplementarität. Bild und Text ergänzen sich zu einer gemeinsamen Botschaft. Ein Beispiel für Text-Bild-Komplementarität zeigt die Kondom-Werbung auf Postkarten von Billy Boy.
Eine kleine intellektuelle Leistung: Integration von Text und Bild zu einer gemeinsamen Botschaft. (05.12. 2014)










