Sprechgewohnheit

Zum Gendern in der Sprache habe ich mich bereits mehrfach geäußert und zwar durchweg positiv. Ich sehe darin einen Prozess des Sprachwandels, den ich grundsätzlich für richtig halte. Untersuchungen haben auch gezeigt, dass Leserlichkeit und Verständlichkeit nicht leiden, wenn auf ungewohnte Formulierungen verzichtet wird (Frauschaft, Rednerinnenpult). Von Vorschlägen, die sich zwar lesen aber nicht aussprechen lassen halte ich allerdings wenig (Lehrer*innen, LehrerInnen).

Jetzt habe ich in der Evaluation einer Vorlesung eine harsche Rückmeldung bekommen. Durch meine Sprache offenbare ich, dass mir an der Gleichstellung der Geschlechter nichts liegt, da ich nicht durchgängig genderneutral formuliere. Dazu: Ich gebe mir Mühe, aber richtig in Fleisch und Blut sind mir die neuen Formulierungen noch nicht eingegangen. Da ich frei spreche, falle ich immer wieder in die alten Sprachgewohnheiten zurück und das wird sich wohl in meinem Leben auch nicht mehr ändern. Ich vergesse eine Form (Adressat und Adressatin) oder habe Probleme mit einer nachfolgenden Pronominalisierung (sie und er). Übrigens sprechen auch die meisten Frauen nicht genderneutral, aber ihnen lässt man das eher durchgehen. (07.12.2019)

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