Ankerzentren

Es ist schon unverfroren, mit welchen dümmlichen Euphemismen uns Politiker eine Maßnahme sprachlich verbrämen. Horst Seehofer (CSU), Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, will Ankerzentren für Flüchtlinge einrichten. „Anker“ steht dabei für Ankunft, Entscheidung, Rückführung, eine Worttrias, die mit den Konnotationen eines Ankers nichts zu tun hat. Denn der Anker ist ein Symbol für sicheren Halt und Hoffnung, genau das Gegenteil also, was die Menschen in diesen Internierungslagern erwartet. Im frühen Christentum wurde der Anker durch Einführung einer Querstange zum verborgenen Symbol des Kreuzes. Das passt ja dann zum Kreuzzug des Ministerpräsidenden des Freistaates Bayern, Markus Söder. (07.05.2018)

Ankerverbot. Ein treffendes Kennzeichen für die geplanten Ankerzentren aus der Binnenschifffahrtsstraßen-Ordnung (BinSchStrO). Quelle: Wikimedia Commons.

2 Responses to Ankerzentren

  1. Max Steinacher 7. Mai 2018 at 20:58 #

    Verdienstvolle Sprachkritik.
    Hat der Minister keine Berater/innen?

Trackbacks/Pingbacks

  1. Wirkungsgleich | Steffen-Peter Ballstaedt - 4. Juli 2018

    […] Nachtrag: Zu Wortneuschöpfungen der Politiker  ein Artikel von Stephan Hebel in der Frankfurter Rundschau. Dazu auch mein Beitrag über Ankerzentren. […]

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