Hallo Schatz,

das Meeting dauert noch… Advertising Postcard aus dem Jahre 2002 für das Klapphandy GD87 von Panasonic (03.02.2017)

Advertisung PostCard

Ein schönes Beispiel für die kommunikative Funktion des gewählten Bildausschnitts. Scan: St.-P. Ballstaedt

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Winter des Lebens

Der Herbst des Lebens ist eine in Gedichten, Sprüchen und Reden oft benutzte Metapher für das Alter. Der Herbst steht hier für die Ernte nach einem erfüllten Dasein. Auf Fotos sieht man dazu alte Menschen an einem goldenen Herbsttag auf Parkbänken sitzen oder am Stock durch das Laub schreiten. Aber nach dem Herbst kommt der Winter: Warum gibt es keinen Winter des Lebens? Hier erstirbt und erstarrt die Natur, es ist neblig und kalt. In den bildlichen Allegorien des Winters sind oft alte Männer oder Greise abgebildet, sie sich über einem Feuer oder glühenden Kohlen die Hände wärmen. Das Wort „Greis“ ist aus dem mittelhochdeutschen gris = grau abgeleitet. Der Greis oder die Greisin sind an Haaren und Haut grau geworden. Den beliebten Vergleich der Jahreszeiten mit den Lebensaltern beendet man lieber im Herbst und lässt den Winter des Lebens aus. (01.02.2017)

Giuseppe_Nogari_Allegorie_Winter

Giuseppe Nogari: Allegorie des Winters, 1766. Dieser Greis kann sich an Körper und Kopf mit Fellen wärmen, aber nach erfülltem Leben sieht er nicht aus. Quelle: Wikimedia Commons.

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Arschig

Heute in der Buchhandlung vor den Regalen mit Neuerscheinungen fallen mir mehrere Titel mit deftigem Vokabular auf, vor allem im Bereich der Lebenshilfe:

Alexandra Reinwarth: Am Arsch vorbei geht auch ein Weg. 2016
Tommy Jaud: Sean Brummel: Einen Scheiß muss ich. 2016
Anna Kraft/Erik Jäger: Ein Arsch – ein Ziel: meine Challenge. 2017
Gitte Härter: 30 Minuten Arschlöcher zähmen. 2012
Horst Lichter: Keine Zeit für Arschlöcher:…hör auf dein Herz. 2016

Von Horst Lichter erwartet man keinen anderen Titel, aber auch viele Romanautoren und –autorinnen haben anales Vokabular als Mittel der Aufmerksamkeitserregung entdeckt:

Jutta Sein: Arsch auf Augenhöhe. 2016
Christian Bauer: Ein nackter Arsch: Robert Simareks erster Fall. 2016
Frank Pape: Gott, du kannst ein Arsch sein. Stefanies letzte 296 Tage. 2016
Kerstin Hohlfeld/Leif Lasse Andersson: Ich heirate einen Arsch. 2014

Mal sehen, welcher Körperteil in die Buchtitel aufrückt, wenn der Arsch abgegriffen, um nicht zu sagen abgewischt ist. (28.01.2017)

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Grundwerte

Werte

Über Grundwerte wird derzeit viel verlautet, hier hat jemand als Memo viele positive Wörter auf einem Aufkleber untergebracht, deutlich mit christlicher Schlagseite. Fundstelle: Tübingen, Mohlstraße. Foto: St.-P. Ballstaedt (25.01.2017)

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Historischer Humor 6

Auch das Lachen hat seine historischen Bedingungen, dazu habe ich schon einige Beispiele geliefert. Im zweiten Witzbuch von Hellmuth Karasek „Das find ich aber gar nicht komisch. Geschichte in Witzen und Geschichten über Witze“ finden man viele Beispiele, dass Witze „ihre Entstehungszeit und ihr Verfallsdatum“ haben (S. 17). Dazu ein Kalauer, den Karasek berichtet:

Was entsteht, wenn ein Gebiss in einen Teller Spaghetti fällt?
Antwort: Zahnpasta

Dieser Witz verrät etwas über seine Entstehungszeit: Es gibt noch Zahnersatz, der nicht so recht haftet, und das Verstehen des Witzes setzt eine Kenntnis der italienischen Küche voraus. Die mediterane Küche ist seit dem Anwerbeabkommen 1955 mit den italienischen Gastarbeitern nach Deutschland eingewandert, der Aufschwung der Implantate lässt sich auf Ende der 1980er Jahre festlegen: Also der Witz wird wohl zwischen 1960 bis 1980 entstanden sein. Es gibt eine Archäologie des Witzes! (22.01.2017)

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Schweizer Symbolbild

Am 12.02.2017 steht wieder eine Volksabstimmung in der Schweiz an. Eine Gesetzesänderung soll die Einbürgerung der dritten Ausländergeneration unter bestimmten Bedingungen erleichtern. Es geht um in der Schweiz geborene Personen unter 25 Jahren, ein Elternteil oder Grosselternteil muss in der Schweiz geboren sein bzw. Aufenthaltsrecht besessen haben. Klingt nicht nach einer dramatischen Wende, denn diese Menschen sind meist bereits brave Schweizer geworden. Aber überall hängen Plakate gegen „unkontrollierte Einbürgerung“, wohl wieder aus der Werkstatt des Werbefachmanns Alexander Segert. Er hat sein Motto wieder umgesetzt: „Keep it simple and stupid.“ (20.01.2017)

Symbolbild

Im Schwyzer Volksblatt wird die Kampagne erläutert: „Die Burkaträgerin steht als Symbolbild für muslimische Einwanderer, welche die Scharia über das Schweizer Recht stellen.“ Foto auf dem Bahnhof Winterthur: St.-P. Ballstaedt

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Paste-Ups

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In Tübingen tauchen zunehmend kleine handgemalte, ausgeschnittene und angekleisterte Aufkleber, sogenannte Paste-Ups auf. Fotos: St.-P. Ballstaedt (16.01.2017)

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Schneepinkeln

Eine vergängliche Kunst und eine maskuline Form des Hinterlassenes von Spuren. Jahrelang bin ich daran gescheitert, einen Violinschlüssel in den Schnee zu pinkeln. (15.01.2017)

Schneepinkeln

Ästhetisch nicht befriedigend, bessere Beispiele hier. Foto: Str.-P .Ballstaedt

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Glimpflich

„Die Unfälle verliefen weitgehen glimpflich.“ Das bedeutet, sie sind ohne besonderen Schaden verlaufen. Woher kommt dieses seltsame Adjektiv „glimpflich“? – „Sie verunglimpfen Andersdenkende.“ In dem Verb im Sinne von „diffamieren, schlechtmachen“ steckt wieder das Morphem „glimpf“, das es als freistehendes Substantiv nicht mehr gibt, nur noch als Eigenname „Glimpf“. Im Deutschen Wörterbuch der Gebrüder Grimm sind viele Spalten dem Wort „Glimpf“ mit seinen Ableitungen und Bedeutungen gewidmet. 1727 reimt der Gelegenheitsdichter Christian Friedrich Henrich:

den Männern sey es grosser schimpff
wenn sie mit so viel zarten glimpff
das liebe frauenzimmer ehren

Glimpf bedeutet hier ein gutes Benehmen, mit dem man sich bei den Frauen einschmeichelt. Unglimpf bedeutet schlechtes Benehmen, wenn man jemanden kränkt, beleidigt oder ihm Schaden zufügt.

Das Wort hat eine verzwickte und nicht geklärte Etymologie. Es stammt wohl ursprünglich von einem starken althochdeutschen Verb: limphan oder gilimphan in der Bedeutung „zukommen, zutreffen, geziemen“. Daraus wird ein Substantiv: gilimph = Angemessenheit und im Mittelhochdeutschen g(e)limpf = angemessenes Benehmen. Es gibt Spekulationen, dass das Wort etwas mit den Verben limpen oder lumpen = hinken, lahmen, sich fortschleppen (englisch to limp) zu tun habe, aber die dafür notwendigen Bedeutungsverschiebungen bleiben im Dunkel der Sprachgeschichte. (11.01.2017)

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Übermalt

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Sonderbares Holzschildchen auf einer Hauswand in der Neuen Straße in Tübingen. Offenbar das Feminismus-Symbol, das übermalt wurde. Foto: St.-P. Ballstaedt (08.01.2017)

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