Reihern

Das deftige Wort kommt in der Bedeutung „erbrechen“ Ende des 19. Jh auf, auch die Redewendung „kotzen wie ein Reiher“. Der Reiher füttert seine Jungen aus einem Kropf, er würgt die hastig verschlungene Nahrung wieder heraus.

Der Reiher hat in verschiedenen Kulturen symbolische Bedeutung: Im alten Ägypten ist er wegen des langen Schnabels ein Symbol des Ergründens verborgener Wahrheiten, in China steht er für den richtigen Weg. Für die Kirchenväter war speziell der Graureiher wegen seines aschfarbenen Gefieders ein Symbol der Buße. Da er  auch Schlangen frisst, wird er auch zum Symbol für Christus. (07.05.2015)

Reiher

Ein Graureiher lauert auf Beute im Goldersbachtal bei Bebenhausen. Foto: St.-P. Ballstaedt

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Kunstmüll

Kunst

Inzwischen ist der Spruch auch an Tübingens Wänden angekommen. Es ist der Titel eines Buches von Christian Saehrendt (2012), in dem Geschichten berichtet werden, die sich um die Documenta in Kassel ranken. Verbreitet sind Anekdoten, in denen Kunstwerke von Beuys zum Gläserspülen zweckentfremdet (die Säuglingsbadewanne) oder von sauberkeitsbewussten Putzfrauen oder Hausmeistern entsorgt wurden (die Fettecke). Damit wird unterstellt, dass moderne Kunst und Müll nicht immer unterscheidbar sind. Foto: St.-P. Ballstaedt (05.05.2015)

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Katzentatzen

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Auf einem Garagentor und einer Mauer in der Gottlieb-Olpp-Straße. Die Botschaft verweist auf das Netzwerk Indymedia. Foto: St.-P.Ballstaedt (30.05.2015)

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Körperwelten

In Berlin hat jetzt eine Ausstellung des Anatoms Gunther von Hagens einen festen Standort im Sockel des Fernsehturms am Alexanderplatzes gefunden.

Die Ganzkörper-Plastinate zeigen eindrücklich, welch einen komplexen Organismus die Evolution hervorgebracht hat. Dass ich vor präparierten Leichen stehe, muss ich mir bei der plastikähnlichen Konsistenz immer wieder bewusst machen. Ob allerdings die Posen als Sportler oder Liebespaar sinnvoll sind, darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein. Ästhetisch sind die Plastinate auf jeden Fall, sie laden zu sehr genauem Hinschauen ein.

Wohl um von dem nekrophilen Ambiente abzulenken, ist die Ausstellung stark didaktisiert: Über den Aufbau und die Funktionen des Körpers bekommt man in Text und Videos sehr verständlich aufbereitete Informationen. Unerfreulich anzuschauen sind die vielen kranken Organe: Leberzirrhose, Krebsgeschwüre, Raucherlungen usw. Angeblich haben Besucher nach der Ausstellung ihren Lebenswandel geändert. (29.04.2015)

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Ein Exponat aus den Körperwelten. Quelle: Paul Stevenson, Wikimedia Commons

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Reinigung

Grafitto-Teufel

Der Schrecken der Potsdamer Sprüher: das Auto des Graffiti-Entfernungsdienstes. Foto: St.-P. Ballstaedt (28.04.2015)

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Alterslyrik

Ich bin ein großer Liebhaber von Gedichten, weil hier die Sprache sozusagen zur Höchstform aufläuft: Jeder Laut, jedes Wort, jede Konnotation, jede syntaktische Konstruktion trägt zu einem Gesamteindruck bei, der eine Wahrnehmung, ein Gefühl , eine Befindlichkeit, eine Erkenntnis subjektzentriert verdichtet. Dazu kommen sämtliche rhetorischen Stilmittel, welche die Sprache zu bieten hat.

Derzeit blättere ich in der Gedichtsammlung „Altershalber“, die von Helmut Zwanger und Henriette Herwig herausgegeben wurde. Sie haben Gedichte aus acht Jahrhunderten über das Altern gesammelt. Die Altersklage überwiegt, mit der Hinfälligkeit und Sterblichkeit haben sich die Menschen schon immer schwer getan. Die Herausgeber: „Kaum je findet sich Scherzhaftes, Heiteres, selten Humor, Komik oder Selbstironie.“ (S. 31). Aber das liegt auch an der Auswahl. Zwei Dichter Robert Gernhardt und Peter Rühmkorf kommen zwar in der Anthologie vor, aber nicht mit den Gedichten, die nichts beschönigen, aber über die man trotzdem schmunzeln kann. Hier Robert Gernhardt aus „Lichte Gedichte“:

ES, ES, ES UND ES

Es ist nicht schön, wenn man begreift:
Du bist nur gealtert, du bist nicht gereift.

Es tut nicht gut, wenn man bemerkt:
Die Zeit hat nur deine Schwächen verstärkt.

Es führt nicht weit, wenn man erkennt:
Was du auch anfängst, es ist der Anfang vom End.

Es baut etwas auf, wenn man bedenkt:
Mit dem Tod bekamst du das Leben geschenkt.

Viele altersheitere Verse auch in Peter Rühmkorfs letztem Gedichtband „Paradiesvogelschiß“. (26.04.2015)

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Rumgurken

Auf einem Spreewaldgurkenlaster in Berlin habe ich den Spruch gelesen: „Nicht rumgurken, sondern gleich ins Glas“. Woher kommt das Verb „herumgurken“ oder auch nur „gurken“, beide in den Duden aufgenommen? Bei meiner Recherche bin ich gleich auf einen Text des Germanisten Gerhard Müller gestoßen, der die Spuren der Gurke in der Alltagssprache untersucht hat. Herumgurken bezeichnet „das ungezielte, mehr oder weniger schweifende Gehen oder Fahren“. Nach seiner Ansicht wird die Unregelmäßigkeit der Gestalt von (nicht normierten) Gurken auf eine Bewegung übertragen. Nach Heinz Küpper stammt die Übertragung vermutlich aus der Soldaten- bzw. Fliegersprache. (22.04.2015)

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Krumme Gurke, wie sie bis zur Aufhebung der Verordnung Nr. 1677/88/EWG zur Festsetzung von Qualitätsnormen für Gurken am 1.7.2009 nicht wachsen durfte. Quelle: Garitzo, Wikimedia Commons

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Mahnmale

Ob das eindrucksvolle begehbare Holocaust-Mahnmal seinen Sinn der Besinnung erfüllt, bleibt fraglich. Die Kinder spielen Fangen und Verstecken, was bei einer solchen Versuchung sicher verzeihlich ist. Aber auch andere Besucher laufen kichernd und und lachend durch die Gänge, fotografieren sich und lassen sich von den düsteren Stelen die Urlaubsstimmung nicht beeinträchtigen.

Es vermittelt schon ein besonderes Geschichtsgefühl, wenn im unmittelbaren Umkreis des Regierungssitzes vier Mahnmale für Bevölkerungsgruppen stehen, die man ausrotten wollte: Juden, Homosexuelle, Sinti und Roma und behinderte und kranke Menschen (Euthanasie-Opfer). Schön deutsch, die saubere Kategorisierung der Opfergruppen. (18.04.2015)

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Gang durch das Holocaust-Mahnmal. Foto: St.-P. Ballstaedt

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