Neue Emojis

Auf 72 neue Emojis können sich Benutzer des iOS 10.2 freuen, die ihre kommunikativen Möglichkeiten erweitern. Neben Lebensmitteln (z. B. Döner = stuffed flatbread, Pfannengericht = shallow pan of food) und Tieren (z.B. Eule, Hirsch, Fuchs, aber auch Gecko und Garnele) wird auch die Gleichberechtigung weiter getrieben: Es gibt jetzt neben dem Weihnachtmann auch eine Weihnachtsfrau, neben dem Feuerwehrmann eine Feuerwehrfrau. Die Gestaltung erinnert etwas an die Playmobilmännchen und -frauchen. Die neuen Bildchen kann man bei Emojipedia anschauen.

Wie schon bei anderen Emojis können Gesten aber wieder für Missverständnisse sorgen. Das Facepalm-Emoji für Fremdschämen zeigt, wie eine Person die flache Hand vor die Stirn hält. Diese Geste ist aber nicht eindeutig, wir nutzen sie auch, wenn wir nachdenken, entsetzt sind oder anzeigen wollen, dass wir Kopfschmerzen haben.

Die gekreuzten Finger bedeuten Glück oder den Wunsch für einen glücklichen Ausgang. Das ist aber nur im angelsächsischen Raum üblich. Wir drücken die Daumen, um Glück zu wünschen. Die hinter dem Rücken gekreuzten Finger bedeuten hingegen die Aufhebung eines gegebenen Versprechens. Im Falle des gebrochenen Schwurs sollen die gekreuzten Finger (d.h., das Kruzifix) davor bewahren, dass man in die Hölle gelangt. (03.11.2016)

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Neue Tiere, neue Speisen, neue Gesten. Quelle: emojipedia.org

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Zufall und Notwendigkeit

Ob der Laplace’sche Dämon schon die Ausstellung „[un]erwartet. Kunst des Zufalls“ im Kunstmuseum Stuttgart besucht hat? Mit Exponaten von den Surrealisten und Dadaisten bis zur Computerkunst wird das Spannungsfeld zwischen Kausalität und Zufall behandelt. Die meisten Künstler nehmen eine Zwischenposition ein: Sie gestehen dem Zufall eine Rolle im kreativen Prozess zu, den sie aber durch ästhetische Entscheidungen gestalten. Wenn man aber noch einen Schritt weitergeht, dann ist auch die ästhetische Entscheidung nicht zufällig, so wie Sigmund Freud mit seinem psychischen Determinismus auch alltägliches Verhalten als unbewusst gesteuert interpretiert hat. Dann wäre Kreativität nur die Unkenntnis der zahlreichen Bedingungen, die zu einer Linie auf dem Zeichenblatt oder zu einem Pinselstrich auf einer Leinwand führen.

Zufall und Kreativität greifen auch bei der Digital Art meines Ex-Kollege Joachim Wedekind ineinander: Er schreibt einen Algorithmus, mit dem ein Computer eine visuelle Vorlage erzeugt, die er interaktiv mitgestaltet und abschließend ästhetisch beurteilt. Als Beispiel ein Bild aus farbigen Klecksen: „Es wird über Tastendruck gesteuert, wie viele Punkte in welcher Farbe gesetzt werden (die Positionierung erfolgt dann zufällig). Der Vorgang kann bei Gefallen beendet, bei Nichtgefallen wiederholt werden.“ Was zeigt das entstandene Bild: Zufälligkeit oder Notwendigkeit? (02.11.2016)

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Grafiken von Joachim Wedekind sind bis 25.11.2016 im Stadtteiltreff Waldhäuser-Ost in Tübingen zu sehen. Quelle: http://digitalart.joachim-wedekind.de

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Notdurft

Ein Wort, das mir schon immer gefallen hat und etymologisch wieder ein Beispiel für eine Begriffsverengung darstellt. Ursprünglich im Althochdeutschen ist Notdurft der Bedarf an notwendigen Dingen zum Lebensunterhalt bzw. zum Befriedigen natürlicher Bedürfnisse. So steht noch bei Luther: „mein gott aber erfülle alle ewre notdurft“. Erst seit dem 17. Jahrhundert kommt die eingeschränkte Bedeutung auf: seine Notdurft verrichten, d.h. Blase und Darm entleeren. Bei Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen lesen wir im „Simplizissimus“: „ich hab urlaub gebeten, meine Nothdurft zu verrichten“. Die alte Bedeutung schwingt noch im Adjektiv „notdürftig“ mit. (29.10.2016)

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Überzeugend visualisiert: Notdurft. Quelle: pixabay.com

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Nochmals Schockbilder

Zu den Schockbildern auf Zigarettenschachteln habe ich mich schon mehrfach geäußert und dabei zwei Thesen vertreten:

  1. Die Bilder sind eine unnötige Schockpädagogik. Zudem sollte man dann auch konsequent auf Süßwaren kariöse Zähne und auf Alkoholflaschen zirrhotische Lebern abbilden.
  2. Die Gruselbilder führen zur Abstumpfung und haben keine nachhaltige Wirkung auf das Verhalten der Rauchenden.

Jetzt teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) mit, dass im 2. Quartal 2016 in Deutschland 15,4 %, im und 3. Quartal 11,3 % weniger versteuerte Zigaretten produziert wurden als in den Vergleichsquartalen im Vorjahr. Auch der Absatz von Zigarren und Zigarillos und die Menge des versteuerten Feinschnitts gingen zurück. Nur der Absatz von Pfeifentabak stieg deutlich an. Der Absatzrückgang wird auf die Einführung der Schockbilder zurückgeführt. Damit wäre mein zweites Argument empirisch widerlegt. Dass die Schockbilder kausal für den abnehmenden Konsum verantwortlich sind, ist mit den Zahlen allerdings nicht belegt. Denn der Zigarettenkonsum nimmt seit 2000   kontinuierlich ab. (23.10.2016)

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Mit Überziehern, Covern, Aufklebern werden Warnungen und Schockbilder auf Zigarettenschachteln überdeckt: darauf flotte Sprüche (Wer das Rauchen aufgibt, muss nach dem Sex reden) und erfreuliche Bilder. Quelle: www.cipeecard.de.

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Verbaler Verbraucherschutz

Der CDU liegt ja der Verbraucherschutz sehr am Herzen, deshalb hat jetzt Frank Oesterhelweg aus der CDU Niedersachsen eine Inititative ergriffen: Vegetarische oder vegane Fleischersatzprodukte sollen nicht mehr mit Benennungen verkauft werden, die an Fleisch erinnern, also keine vegetarischen Schnitzel, Würste oder Frikadellen. Über vegane Fleischwurst habe ich mich schon einmal mokiert. Viele Bezeichnungen sind etymologisch zunächst fleischneutral: Ein Schnitzel ist ein Teilstück von einem Ganzen (schnitzen, Apfelschnitz), das muss aber keine Fleischscheibe sein. – Der Ursprung von Wurst ist unklar: Entweder von indogermanischen Wörtern für Gedrehtes oder für Vermengtes. Einmal geht es um die Form (Bettwurst, Kackwurst 💩), das andere Mal um den vermischten Inhalt (verwursten, wursteln). – Frikadelle kommt aus dem Italienischen: Frittadella ist in der Pfanne Geröstetes oder Gebratenes, das kann auch eine Gemüsefrikadelle sein. Warum man Fleischgerichte in Form und Farbe vegetarisch nachbaut, leuchtet mir nicht ein, z.B. vegetarischer Schinken oder vegetarischer Gulasch. (16.10.2016)

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Anstößig

Analog dem Deutschen Werberat gibt es in der Schweiz eine Institution mit dem schönen Namen „Schweizerische Lauterkeitskommission“. Hier kann jeder Beschwerde einlegen, der eine Werbung als anstößig empfindet: manipulativ, propagandistisch, sexistisch, diskriminierend, aggressiv, vergleichend usw. Die Lauterkeitskommission macht derzeit mit einer Plakataktion auf ihr 50jähriges Bestehen aufmerksam. (15.10.2016)

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Frech und mutig: ein Motiv, das gewiss auf Schweizer Bahnhöfen für Aufmerksamkeit sorgt. Quelle: www.faire-werbung.ch

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Schwerverständlichkeit

Zur Verteidigung schwer verständlicher Texte werden in verschiedenen Varianten wieder immer drei Argumente vorgebracht:

Das inhaltliche Argument. Die Wirklichkeit ist so komplex, dass sie sich nicht mit einfachen Wörtern und einfachen Satzkonstruktionen ausdrücken lässt. Mit diesem Argument verteidigt der Philosoph Johann Hamann (1730-1788) seine dunkle Prosa, hier theologisch eingefärbt: Da die Welt nur Gott und nicht dem Menschen verstehbar ist, kann ein Mensch über sie auch nicht verständlich schreiben. Die Texte spiegeln sozusagen die Nichtverstehbarkeit der Welt für den Menschen. Unverständlichkeit wird hier als Protest gegen die Aufklärung und deren Forderung, sich klar auszudrücken, verstanden. Denn Aufklärer fordern einen verständlichen Schreibstil, der auch außerhalb des akademischen Elfenbeinturms verstanden wird. Friedrich Nicolai, ein Vertreter der Berliner Aufklärung, beklagt, dass die Schreibenden in Deutschland nur auf sich selbst und „auf den gelehrten Stand“ bezogen sind und die übrigen Menschen verachten. Noch schärfer geht Christian Garve mit den Schreibenden ins Gericht, Er verlangt „Klarheit und Leichtigkeit des Styls“ und lässt das beliebte Argument nicht gelten, dass Tiefe und Gründlichkeit mit Unverständlichkeit erkauft wird, im Gegenteil: „Man kann also mit Recht sagen, daß der höchste Grad der Vollkommenheit und Ausbreitung philosophischer Ideen dann erst erreicht ist, wenn sie sich allen Menschen von gebildetem Verstande, auf eine leichte Art, mitteilen lassen.“ In dieselbe Kerbe schlägt Georg Christoph Lichtenberg: „Die simple Schreibart ist schon deshalb zu empfehlen, weil kein rechtschaffener Mann an seinen Ausdrücken künstelt und klügelt.“ Er spottet über Gelehrte, die ihre „gelehrte Notdurft auf Papier verrichten.“ Dies sind klare Worte gegen einen schwer verständlichen akademischen Imponierstil, der insbesondere in Deutschland bis heute gepflegt wird und zur Sozialisation in einige Disziplinen gehört (Groebner, 2012). Bei den Adressaten wird eine unverständliche Sprache oft als Ausdruck von Expertise oder Intelligenz aufgefasst.

Das didaktische Argument. Man darf es den Lesenden nicht zu einfach machen, schwierige Texte führen zu tieferer Verarbeitung. So wünscht sich Hamann Adressaten, die wiederkäuend lesen und sich durch den Text zum Denken anregen lassen. Lesen wird hier als ein kreativer, kein rezeptiver Akt gesehen. Dieses Argument wird gern mit pädagogischem Zeigefinger vorgetragen, aber es verschiebt die Verantwortung für das Verstehen völlig auf die Seite der Lesenden. Der oder die Schreibende braucht sich nicht um Verständlichkeit bemühen.

Das ästhetische Argument. Schwerverständlichkeit bereitet intellektuell anspruchsvollen Adressaten einen ästhetischen Genuss. Dies betrifft vor allem literarische Texte, da bietet sich dieses Argument an. Keiner wird von Thomas Mann oder Thomas Bernhard einfordern, dass sie verständlich schreiben sollen. Norbert Groeben (1982, S. 152) nennt Verständlichkeit ein „Un-Kriterium für literarische Texte“. Für Verstehensprobleme werden gern rhetorische Stilmittel wie Metaphern, Ironie und Allusionen (= Anspielungen) verantwortlich gemacht, die eben manchen Lesenden überfordern. Das ästhetische Argument gilt aber sicher nicht für Lern- und Fachtexte.

Alle drei Argumente haben eine gewisse Plausibilität, aber sie verschweigen die dunkeln Seiten der Schwerverständlichkeit, sie dient oft der Verschleierung und Abschottung.

Abschottung. Schwerverständlichkeit kann als Mittel der sozialen Abgrenzung eingesetzt werden. So schreibt Friedrich Nietzsche im 381. Aphorismus der „Fröhlichen Wissenschaft“_: „Es ist noch ganz und gar kein Einwand gegen ein Buch, wenn irgend jemand es unverständlich findet: vielleicht gehörte eben dies zur Absicht seines Schreibers – er wollte nicht von „irgend jemand“ verstanden werden. Jeder vornehmere Geist und Geschmack wählt sich, wenn er sich mitteilen will, auch seine Zuhörer; indem er sie wählt, zieht er zugleich gegen die anderen seine Schranken.“ (Nietzsche, 1981, 256). Schwerverständlichkeit ist hier eine elitäre Strategie, sich nur Gleichgesinnten mitzuteilen und andere auszuschließen. Eine vergleichbare sektiererische Einstellung findet man in den „Schwarzen Heften“ von Martin Heidegger: „Künftig muss das Unverständliche gewagt werden: jedes Zugeständnis an Verständlichkeit ist schon Zerstörung.“ Noch ein Zitat: “Das Sichverständlichmachen ist der Selbstmord der Philosophie”. Hiermit wird Kommunikation bewusst verweigert und nur Eingeweihte dürfen in den Elfenbeinturm des Philosophen eintreten.

Verschleierung. Zudem wurde immer wieder der Verdacht laut, dass schwer verständliche Texte nur eine Schwäche der Argumentation verdecken sollen. Wer klar denkt, der kann sich auch klar ausdrücken. Wer verschwurbelt schreibt, der denkt auch so. Es gibt die „intendierte Schwerverständlichkeit“ (Göpferich, 2002), bei der durchaus gewollt ist, sich unverständlich auszudrücken, weil man eigentlich wenig zu sagen oder etwas zu verschweigen hat. Schwer verständliche Texte benötigen dann Vermittler wie Exegeten, Pressesprecher, Übersetzer, Kommentatoren usw., die eine Interpretationshoheit beanspruchen. Unverständlichkeit verweist hier auf eine verdeckte Machtausübung, z. B. in Politik, Religion oder Recht (Enzensberger, 2004). Schwerverständlichkeit haftet immer etwas Esoterisches und Sektiererisches an.

(Aus meinen Skript zur Lehrveranstaltung „Verständlichkeit“ an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Winterthur). (09.10.2016)

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Baderegeln

Obwohl sexuelle Belästigungen statisch nicht zugenommen haben, wurden die Verhaltensregeln in vielen Bädern überarbeitet. Mit neuen Piktogrammen und neuen Sprachen (vor allem arabisch) soll damit Flüchtlingen die deutsche Leitkultur nähergebracht werden.

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In der Variante der Arbeitsgemeinschaft öffentlicher Bäder Baden-Württemberg wird auch die sprachliche Anmache berücksichtigt! Quelle: Arge B-W.

 

 

 

baderegeln-tuebingenTübingen Hallenbad in sechs Sprachen und als Verbot überdeutlich: roter Kreis + Durchstreichung + „NO!“. Quelle: swt Stadtwerke Tübingen

 

 

 

 

 

 

 

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Aus der Münchener Schwimmbad-Ordnung, die auch in Berliner Bädern übernommen wurde: Hände weg vom fremden Po! Quelle: www.brigitte.de

 

 

 

 

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Aus den Salzburger Baderegeln. Das erste Bildpaar soll auf die getrennten Umkleideräume hinweisen. In Unterhose ist Schwimmen nicht erlaubt! Abstand zu anderen Geschlecht halten, nicht auf den Busen glotzen und keine Fotos machen. Quelle: www.salzburg.com

Auch für manche deutsche Badegäste sind das nützliche Tipps zur Integration in die Badekultur. (02.10.2016)

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Eduard Engel

Wer sich mit verständlichem Stil beschäftigt, der kommt um die Stillehren von Ludwig Reiners nicht herum: „Stilkunst. Ein Lehrbuch deutscher Prosa“ (1943) und „Stilfibel. Der sichere Weg zum guten Deutsch“ (1951). Auch der aktuelle Stilpapst Rolf Schneider greift gern lobend darauf zurück. Durch einen Aufsatz des Schweizer Altphilologen Stefan Stirnemann „Ein Betrüger als Klassiker“ bin ich darauf gestoßen, dass das Werk von Reiners weitgehend ein Plagiat ist, abgeschrieben und modifiziert von Edward Engel, der als sein „Lebensbuch“ eine „Deutsche Stilkunst“ veröffentlicht hat (1911 bis 1931 in 31 Auflagen). Engel war Jude und erhielt Publikationsverbot, seine Bücher waren unerwünscht und er starb verkannt und verarmt. Das nutzte Ludwig Reiners, im Brotberuf Direktor einer Textilfirma, plünderte Engels Schriften, kürzte sie an vielem Stellen, versah sie mit einigen nationalsozialistischen Phrasen (er war seit 1933 in der NSDAP) und veröffentlichte 1944 die „Deutsche Stilkunst“, bis heute als Standardwerk im Buchhandel (allerdings ohne die nationalsozialistischen Phrasen).

Es ist ein großes Verdienst der Anderen Bibliothek, dass sie jetzt in zwei Bänden Engels Stilkunst wieder zugänglich gemacht hat, mit einem sehr aufschlussreichen Vorwort von Stefan Stirnemann, die mit dem Satz schließt: „Nun erhält Edward Engels Lebensleistung den Namen zurück.“ Man muss nicht allen Wertungen des sehr leidenschaftlich argumentierenden Engel teilen, aber hier schreibt ein überaus belesener Literat, der die deutsche Sprache perfekt beherrscht.

Schließlich noch eine Abbitte: Unter der Überschrift „Entwelschung“ habe ich am 1.1.2015 über Edwards Engels „Verdeutschungswörterbuch“ geschrieben, das ich zufällig in einem Antiquariat entdeckt hatte. Dabei habe ich mich über seine Eindeutschungen von Lehnwörtern lustig gemacht und ihn als Kämpfer für ein reines Deutsch als einen Wegbereiter der Ideologie des Nationalsozialismus bezeichnet. Jetzt habe ich gelernt, dass die Nationalsozialisten gar nicht gegen Fremdwörter waren: „Zur Sprache einer eroberten Welt gehörten für die Nationalsozialisten auch Fremdwörter“ (Stirnemann, 2016, XV). Und einen weiteren Aspekt habe ich übersehen: Edward Engel war gegen die Fremdwörter, weil sie die Verständigung behinderten: „Die Fremdwörterei ist die granitne Mauer, die sich in Deutschland zwischen den Gebildeten und den nach Bildung ringenden Klassen erhebt.“ Die Stilkunde von Engels lese ich jetzt mit großem Gewinn. (28.09.2016)

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Eduard Engel: Ein jüdischer Schriftsteller, der um sein Lebenswerk gebracht wurde. Quelle: Wikimedia Commons

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